PREDIGT ZUM 34. SONNTAG (CHRISTKNIGSFEST), GEHALTEN AM 20. NOVEMBER 2005 
IN FREIBURG ST. MARTIN
UND DIESE WERDEN EINGEHEN IN DIE EWIGE QUAL, DIE GERECHTEN 
ABER IN DAS EWIGE LEBEN
Wie schon an den beiden vergangenen Sonntagen wird heute noch einmal der entscheiden- de Imperativ unseres Christenlebens in einem Gleichnis veranschaulicht. An den beiden ver- gangenen Sonntagen hie es: Wir knnen nur dann im Endgericht vor Gott bestehen, wenn wir wachsam sind und wenn wir die Talente verdoppeln, die uns Gott geschenkt hat. Heute wird dem hinzugefgt: Wir knnen nur dann vor Gott bestehen, wenn wir ein Auge und ein Ohr und ein Herz haben fr die Not der Mitmenschen. - Es ist eigentlich ein doppeltes Gericht, das Endgericht, die Heilige Schrift spricht von dem persnlichen und von dem allgemeinen Gericht.
Im Endgericht wird Christus als der Knig der Knige offenbar, wird uns der Erlser als unser Richter begegnen. Dann wird sein Knigtum hervortreten, das jetzt noch verborgen ist. Wenn wir heute und morgen, wenn wir in diesem Leben, das verborgene Knigtum Christi anerkennen und es sichtbar machen und wirksam, so hat das dereinst fr uns unvorstellbare Folgen, wie es andererseits unausdenkbare Konsequenzen fr uns hat, wenn wir in diesem Punkt versagen, wenn wir den verborgenen Knig unseres Lebens und dieser Welt nicht beachten oder gar verachten. Bekennen wir uns heute zu Christus und zu seinem Gesetz, entwinden wir uns heute der Macht des Bsen mit Gottes Hilfe, dann finden wir einst Gnade im Gericht. 
Das Gleichnis des Evangeliums vom heutigen Sonntag erklrt uns, dass das Bekenntnis zu Christus und zu seinem Knigtum auch und vor allem die Sorge fr die Menschen in ihren vielfltigen Nten zum Inhalt haben muss. Dieses Bekenntnis aber mssen wir ablegen in Wachsamkeit und entsprechend den Fhigkeiten, die Gott uns gegeben hat.  
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Wer Christus und sein Knigtum anerkennt, kann nicht an den Nten der Menschen vorber- gehen. Er gibt ihnen zu essen und zu trinken, wo immer sie darben mssen, er gewhrt ihnen Gastfreundschaft, wenn sie unterwegs sind, er gibt ihnen Kleider, wenn sie nichts an- zuziehen haben, er besucht sie, wenn sie einsam sind oder krank daniederliegen, und er schreibt sie nicht ab, wenn sie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, zu Recht oder zu Unrecht.
Das ist indessen nicht alles, das sind nur Beispiele fr die leiblichen Nte, in die Menschen geraten knnen und die fr uns, wenn wir das Knigtum Christi anerkennen, ein bedeuten- des Feld der Bewhrung sind. Zahlreich sind die leiblichen Nte, in die Menschen kommen knnen. Wo immer wir die leiblichen Nte der Menschen lindern, da bekennen wir uns zum verborgenen Knigtum Christi, da machen wir dieses sein Knigtum sichtbar.
Aber die leiblichen Nte der Menschen sind nicht die einzigen, nicht einmal die schwer- wiegendsten. Das Evangelium spricht nur von ihnen, aber es will ja auch nur Einiges beim Namen nennen, beispielhaft. Schwerwiegender als die leiblichen Nte sind die geistigen, vor allem deswegen, weil sie oft nicht einmal als Nte erkannt werden: Die Snde, die Gott- losigkeit, die Leichtfertigkeit, die Gewissenlosigkeit, die Gleichgltigkeit, die Unwissenheit, der Zweifel, die Trauer. 
Als Pilatus Jesus ber sein Knigtum befragt, gibt dieser ihm zur Antwort: Dazu bin ich ge- boren und in die Welt gekommen, dass ich von der Wahrheit Zeugnis gebe (Joh 18, 37). Daraus folgt, dass da, wo die Wahrheit herrscht, Christus herrscht . Die Wahrheit aber findet ihre rechte Gestalt in der Liebe, immer neu, und in der Wahrheit findet die Liebe ihre rechte Gestalt, muss sie immer neu ihre rechte Gestalt finden. Deshalb ist die Liebe wertlos, wenn sie nicht von einer lauteren Absicht getragen wird. Alles ist wertlos, wenn es nicht von einer lauteren Absicht getragen ist.
Wenn wir uns den Nten der Menschen zuwenden, so darf das nicht geschehen, weil wir uns hervortun wollen bei den Menschen, weil wir Ehre suchen bei ihnen oder Selbstbesttigung, weil wir stolz sind und gelobt werden wollen - die reine Absicht, darauf kommt es an, bei allem, was wir tun. 
Lauter ist unsere Absicht, wenn wir helfen um Gottes willen, wenn wir helfen, weil Christus uns alle erlst hat, weil wir in jedem Menschen das Antlitz Christi erkennen und weil wir alle schlielich einmal vor seinen Richterstuhl treten mssen. 
In jedem Menschen das Antlitz Christi erkennen, das ist anspruchsvoll. Da mssen wir reali- sieren, dass Christus auch hinter den Unsympathischen steht, dass er auch hinter denen steht, die Bses wider uns sinnen und die uns verachten, dass er trotz allem hinter ihnen steht, vor allem dann, wenn sie in Not sind und wenn sie unserer Hilfe bedrftig sind. 
Aber nicht einmal das gengt, die Nte der Menschen zu lindern. Damit sind wir noch nicht gerechtfertigt vor Gott. Es wre falsch, wenn wir mit Berufung auf das Evangelium des heu- tigen Sonntags beweisen wollten, dass es allein auf die Nchstenliebe ankommt. Ohne die Gottesliebe kann uns auch die Nchstenliebe nicht retten, wenn das berhaupt mglich ist, den Nchsten ohne Gott zu lieben, immer und wahrhaft und lauter. Jesus geht es in erster Linie nicht um den Menschen, sondern um Gott.
Der erste Bezugspunkt der christlichen Religion ist nicht der Mensch, sondern Gott. Das erste und grte Gebot ist daher fr uns die Gottesliebe. Sie aber findet ihren Ausdruck in der Umkehr, in der Hinwendung zu Gott, im Glauben an das Evangelium, im Bekenntnis zu Chri- stus und zu seiner Kirche. Im Alltag findet sie ihren Ausdruck in der Herzensreinheit, in der Demut, in der Wahrhaftigkeit und in der Nchstenliebe - die Nchstenliebe zhlt letztlich nicht ohne die Herzensreinheit, die Demut und die Wahrhaftigkeit -, im Alltag findet die Hin- wendung zu Gott, zu Christus und zu seiner Kirche ihren Ausdruck auch in der Preisgabe der irdischen Gter und Bindungen um Gottes willen, im Kreuztragen und schlielich in der Be- reitschaft zum Martyrium, zur Hingabe des Lebens und der ganzen Existenz fr die Wahr- heit, mit der Christus sich identifiziert. Hier mssen wir uns auch an die Seligpreisungen der Bergpredigt erinnern, an die Armut im Geiste, an die Sanftmut, an die Barmherzigkeit, an die Sndentrauer, an den Hunger nach der Gerechtigkeit, an die Friedfertigkeit und an das Verfolgtwerden um der Gerechtigkeit willen. All das muss hinzukommen, all das gehrt zum Bekenntnis zu Christus und seinem Knigtum und zu seiner Kirche. 
Schlielich prsentiert uns das Evangelium des heutigen Sonntags noch einen weiteren be- deutenden Gedanken: Die Scheidung, die am Ende erfolgt, ist nicht vorlufig. Diejenigen, die auf der linken Seite stehen, werden fr immer von Christus getrennt sein, sie werden keine neue Chance erhalten. Die Gegenberstellung ewiges Leben - ewige Qual zeigt uns: Die Verwerfung der Gottlosen ist sicher, und sie gilt fr immer. Sie ist ebenso sicher und gilt ebenso fr immer wie die Rettung der Gerechten. Das kann man in unserer verbrger- lichten Christenheit, angesichts der oft substanzlosen Verkndigung der Kirche nicht laut ge- nug rufen. Den Begriff der Ewigkeit drfen wir nicht abschwchen. Dazu haben wir kein Recht. Das ist schicksalhaft fr uns.
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Das Evangelium vom Jngsten Gericht ermahnt uns, es beschwrt uns gleichsam, dass wir das verborgene Knigtum Christi in unserem Leben sichtbar machen, und zwar im Bekennt- nis zu Christus und seiner Kirche und zu seinen mannigfachen Forderungen. Gleichzeitig ist es ein Trost fr uns, bezeugt es uns doch, dass die Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort hat, dass Gott dereinst die Gerechtigkeit herbeifhren wird, nach der wir uns in dieser unserer Welt so oft vergeblich sehnen. Die Wahrheit wird einmal den Sieg davontragen. Alles ist im Buch des Lebens verzeichnet, nichts geht verloren. Und Gott wird uns unsere Treue lohnen, unsere Treue im Kleinen.  Amen. 

PREDIGT ZUM 33. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 13. NOVEMBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN 
NEHMT IHM SEIN TALENT, UND GEBT ES DEM, DER ZEHN TALENTE HAT
Das Evangelium des heutigen Sonntags entfaltet das gleiche Thema wie jenes des vergan- genen Sonntags: Unsere Wachsamkeit, unsere Bereitschaft und unsere Verantwortung im Hinblick auf das Kommen Christi, im Hinblick auf unsere Begegnung mit Christus jenseits der Schwelle des Todes. Das Gleichnis von den klugen und den trichten Jungfrauen unter- scheidet sich nicht wesentlich von dem Gleichnis von den Talenten. Nur die Akzentuierung ist ein wenig anders. Im einen Fall liegt der Akzent auf unserer Bereitschaft und Wachsam- keit, im anderen auf dem, wodurch wir uns fr das Kommen Christi rsten. In beiden Fllen aber geht es um das ich kenne euch nicht, um das zu spt, um das Stehen vor der ver- schlossenen Tr. 

Im Gleichnis des heutigen Evangeliums vertraut ein Mann, der eine lngere Reise machen will, sein Vermgen seinen drei Knechten an. Er tut das in der Hoffnung, dass sie mit dem Geld arbeiten, dass sie es vermehren und sich so als gute Knechte erweisen. Acht Talente betrgt das Vermgen insgesamt. Das sind ungefhr vierzigtausend Mark, zwanzigtausend Euro. Dem einen gibt der Hausherr also 25 000 Mark, dem anderen 10 000 und dem Dritten 5 000. Jeder erhlt so viel Geld, wie es seinen krperlichen und geistigen Fhigkeiten ent- spricht. Wer viel bekommt, muss mehr arbeiten, und er ist mehr gefordert als der, der nur wenig erhlt. Genauer gesagt: Jeder muss seinen Anteil verdoppeln. Der eine muss also 25 000 Mark erwirtschaften, die beiden anderen mssen 10 000 und 5 000 erwirtschaften. Diese Erwartung wird jedoch von einem der drei Knechte nicht erfllt, und gerade von dem nicht, der am wenigsten zu erbringen hat. Die beiden erstgenannten Knechte gehen an die Arbeit, der Dritte erspart sich die Mhe. Er vergrbt das Geld seines Herrn. So geht es zwar nicht verloren, aber es wchst auch nicht an. Dafr erhlt er eine unerwartet schwere Strafe.
Die Knechte sind die Menschen, wir alle, der Hausherr ist Gott, der in Christus als Richter kommen wird, dem wir alle einmal gegenberstehen werden, der einmal die Bilanz unseres Lebens ziehen wird. Bei der Arbeit mit den Talenten geht es um die Frchte, die wir im Glauben bringen, um unsere Werke, um unser Tun und Lassen und um unser missionari- sches Wirken, um unser Bemhen, dass wir am Erntetag Gottes nicht mit leeren Hnden da stehen. Christus distanziert sich von dem faulen Knecht, von dem, der die Hnde in den Scho gelegt hat. Das hat dieser getan in der Hoffnung, es werde am Ende schon alles gut werden. Somit ist er leichtsinnig, sein Leichtsinn aber hat unausdenkbare Folgen.
So machen es auch viele von uns, wie der Dritte der drei Knechte. Wir alle stehen in der Versuchung, die Hnde in den Scho zu legen und Gott gewissermaen einen guten Mann sein zu lassen. Die Trgheit ist mchtig in unserem Leben, besonders die religise Trgheit. Sie wird allerdings nicht selten - Gott sei es geklagt - genhrt durch eine undiffe- renzierte Verkndigung oder durch Beschwichtigungsreden in der Kirche oder durch eine oberflchliche Geflligkeitsseelsorge, die auf das banale Schlagwort hinausluft: Alles halb so schlimm. Manchmal heit es heute auch in der Verkndigung des Glaubens: Man darf das Ganze nicht so tragisch nehmen. Oder: Der barmherzige Gott wird am Ende alles gut sein la- ssen. Das ist indessen eine grobe Verflschung der Botschaft Jesu und seiner Kirche, letzt- lich ein Ausdruck des Unglaubens. Man vermischt da den Wein des Gotteswortes mit dem Wasser der Menschenerwartung. Man misst das Wort Gottes da an dem, was uns wnschens- wert erscheint. Weil wir uns nicht vorstellen knnen oder wollen, dass Gott unsere Trgheit und unseren Leichtsinn mit der ewigen Verdammnis beantworten kann, deshalb klammern wir klare Aussagen der Offenbarung ein, wie etwa solche des heutigen Evangeliums. Das ist berhaupt typisch fr unser Denken: Was wir uns nicht vorstellen knnen, das kann es nicht geben! Damit begeben wir uns jedoch auf einen gefhrlichen Holzweg.
Der treulose Knecht wird ausgesperrt. Die Distanzierung des himmlischen Richters von ihm, der Gedanke der verschlossenen Tr, das werft ihn hinaus des Evangeliums muss uns eine ernste Mahnung sein und ein Ansporn, dass wir die Hnde nicht in den Scho legen, dass wir uns nicht der religisen Trgheit hingeben, dass wir jeden Tag hinarbeiten auf den Ern- tetag Gottes. 
Das Gleichnis von den Talenten ist eine ernste Mahnung fr uns und ein Ansporn, wie ge- sagt, zugleich aber auch ein Trost, erinnert es uns doch daran, dass nicht die Fhigkeiten, die wir haben, ber unseren Wert vor Gott entscheiden, sondern das, was wir daraus ma- chen. Deswegen brauchen wir niemanden zu beneiden, der mehr Fhigkeiten hat, der an- gesehener ist, der eine hhere Stellung innehat. Je mehr einer jetzt hat, um so mehr muss er spter, am Ende, haben. Die Kehrseite der Gaben, die Gott uns schenkt, ist die Verpflich- tung, dass wir arbeiten mit ihnen. Der Gabe entspricht die Aufgabe. So ist es immer in un- serem Verhltnis zu Gott. Wenn wir mehr Gaben von Gott bekommen haben, wenn wir eine bedeutendere Stellung einnehmen in dieser Welt, so mssen wir mehr arbeiten, so ist un- sere Verantwortung grer, so wird einmal ein strengeres Gericht ber uns ergehen. Das vergessen wir leider allzu oft. Das vergessen die einen wie die anderen, die viel bekommen haben, aber auch jene, die weniger bekommen haben.
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Das Evangelium des heutigen Sonntags will uns mit seinem Gleichnis an die Verantwortung erinnern, die wir vor Gott haben in unserem Leben, und an den Erntetag Gottes, dem wir entgegengehen. Es ist fr uns eine ernste Mahnung, gleichzeitig trstet es einen jeden von uns in seiner jeweiligen Situation. So ist es immer in der Verkndigung Jesu: Er stellt uns unsere Verantwortung vor Augen, zugleich aber bestrkt er uns mit dem Hinweis auf Gott, den Vater, der gerecht ist und barmherzig, der nicht mehr von uns verlangt, als er uns gibt, und darber hinaus uns noch seine Hand reicht und uns mit seiner Gnade zieht. So muss das Gotteswort auch in der Kirche verkndet werden. Wenn es unverkrzt gepredigt wird, rttelt es uns auf und macht es uns Mut. Wenn es authentisch vorgetragen wird, ist es stets zugleich trstlich und ernst. Das Evangelium des heutigen Sonntags warnt uns nachdrcklich vor dem Leichtsinn im Hinblick auf das Gericht, dem wir entgegengehen: Es geht um alles. Wir m- ssen unsere Talente verdoppeln. Zugleich aber erinnert uns das Evangelium daran, dass Gottes Erwartung an uns nicht absieht von den Mglichkeiten, die er uns gegeben hat und dass er uns schlielich nicht allein lsst in unserem Bemhen. Wem er weniger gegeben hat, von dem verlangt er auch weniger. Der Aufgabe entspricht die Gabe und der Gabe die Aufgabe. Wer nur ein Talent erhalten hat, der muss bei der Abrechnung nur zwei aufweisen. Diese muss er aber haben. Sie werden ihm zum Schicksal. Amen.

PREDIGT ZUM 32. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 6. NOVEMBER 2005
IN FREIBURG, ST. MARTIN
DIE BEREIT WAREN, TRATEN MIT IHM EIN IN DEN HOCHZEITSSAAL, 
DANN WURDE DIE TR GESCHLOSSEN
Unsere Zukunft ist ungewiss, mehr oder weniger. Weithin betrifft diese Ungewissheit gar auch unsere Gegenwart. Ungewissheit und Unsicherheit sind bestimmend fr unser Leben. Eines aber ist sicher, jeder von uns wird einmal sterben. Das Sicherste ist fr einen jeden von uns der Tod. So sicher dieses Geschehen ist, so unsicher ist jedoch das Wann dieses Ge- schehens. Der Tod ist das sicherste Ereignis in unserem Leben, aber - das muss uns zu den- ken geben - wir verschlieen allzu gern unsere Augen vor ihm. Ja, viele sind stndig auf der Flucht vor ihm, ein Leben lang, als ob sie ihm entgehen knnten. Sie fliehen vor dem Tod und dem Gedanken an ihn in die Arbeit, in den Beruf, in den Lrm, in die Betriebsamkeit, in die Geselligkeit, in immer neue Abwechslungen, Sensationen, Erwartungen, Hoffnungen und Freuden. Eine spezifische Form dieser Flucht ist heute die Reisesucht, die in der Gegen- wart nicht wenige Menschen in Abhngigkeit hlt. - An das Sicherste in unserem Leben, an den Tod, erinnert uns das Evangelium  des heutigen Sonntags.
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Der Tod wird in ihm als das Kommen Christi geschildert: Wie die zehn Jungfrauen auf Chri- stus warten, so warten wir alle ein Leben lang auf den Tod. Die Jungfrauen im Gleichnis warten auf den Brutigam, weil sie mit ihm zum Haus der Braut ziehen wollen, um zusam- men mit ihm die Braut abzuholen und die Hochzeit zu feiern. Mit den zehn Jungfrauen sind wir gemeint, wir alle, alle Menschen, sofern Gott sie zum ewigen Heil berufen hat. Die eine Hlfte der zehn Jungfrauen ist tricht, die andere ist klug. Tricht, das heit schuldhaft dumm, kurzsichtig, die Torheit ist hier nicht als angeborene Eigenschaft zu verstehen, son- dern als erworbene Fehlhaltung, die verantwortet werden muss, als Bequemlichkeit, als Gleichgltigkeit, klug, das heit gewissenhaft, vorausschauend, planend. So wie der Zeit- punkt des Todes eines jeden von uns ungewiss ist, so ist es auch das Kommen Christi. Manchmal ist die Zeit lang, lnger als man gedacht hat, manchmal lsst der Brutigam lan- ge auf sich warten. Darum ist es notwendig, dass wir vorsorgen, damit wir bereit sind, damit wir nicht berrascht werden. Die klugen Jungfrauen hatten noch zustzlich l mitgenom- men fr ihre Lampen. Sie waren bereit, als der Brutigam kam. Die Verzgerung seines Kommens traf sie nicht unvorbereitet. Die anderen aber, die nicht vorgesorgt hatten, die nicht bereit waren, fanden keinen Einlass mehr in den Hochzeitssaal. Ihnen wurde nicht noch einmal eine Chance eingerumt.                                 
Das ist der entscheidende Gedanke des Gleichnisses, der leider oft nicht ausgesprochen wird, wenn das Gleichnis gedeutet wird: Die Jungfrauen, die nicht bereit waren, blieben drauen vor der Tr.                                                                 
Das bedeutet, auf unser Leben bertragen: Wer sich nicht auf den Tod vorbereitet, der ver- fehlt den Brutigam, der verfehlt die Hochzeit der Ewigkeit, der geht verloren - so sagt es uns Gott selber -, dessen Leben war umsonst. So erschtternd das ist: Wir drfen diese Wahrheit nicht verschweigen. 
Im Gleichnis ist es gar die Hlfte der Jungfrauen, die keinen Einlass findet, die das Ziel ver- fehlt. Das mssen wir nicht so verstehen, als ob die Hlfte der Menschheit verloren ginge. Das kann man auch als eindrucksvolle bertreibung verstehen. Aber entscheidend ist, dass ein Teil der Jungfrauen drauen bleiben muss, dass ein Teil seine Berufung verfehlt und die Gnade Gottes verscherzt. Gewiss kann man noch im letzten Augenblick sein Leben korri- gieren, man kann noch fnf vor zwlf gerettet werden, um es im Bild zu sagen, man kann noch in letzter Minute das ntige l erwerben, unter Umstnden, aber wenn der Brutigam erscheint, wenn der Ruf erschallt, wenn der Tod eintritt, dann ist es zu spt.
Es gibt dieses zu spt, das mssen wir uns immer wieder sagen. Das mssen wir unseren Kindern in der religisen Erziehung einprgen und den jungen Menschen, die sich unkri- tisch dem Zeitgeist berantworten und verantwortungslos leben. Es ist tricht, die Bedeutung des Todes nicht zu erkennen, nicht an ihn zu denken - tglich sollten wir es tun -, es ist tricht, die Augen vor ihm zu verschlieen oder gar vor ihm zu fliehen. Tun wir das, so hat das unter Umstnden unabsehbare Folgen.
Unsere Bereitschaft muss darin bestehen, dass wir stets im Zustand der heiligmachenden Gnade sind, dass wir das gttliche Leben sorgfltig bewahren und fruchtbar machen in unserem Leben. Dann kann der Tod zu jeder Stunde kommen, dann brauchen wir ihn nicht zu frchten. 
Im Katechismus haben wir frher die wichtige Lebensregel gelernt: O Mensch, gedenke in allem der letzten Dinge, dann wirst du in Ewigkeit nicht sndigen.
Die Mhe der Anstrengung in einem Leben auf den Tod hin, das heit: auf das Kommen Christi hin, bleibt uns nicht erspart, wenn wir das Ziel erreichen wollen. Das Christenleben ist nicht ein gemtlicher Spaziergang, sondern ein mhsamer Pilgerweg. Aber der Lohn steht in keinem Verhltnis zu der aufgewandten Mhe.
Die Heilige Schrift spricht des fteren von der Alternative des ewigen Lebens, und bezeich- net sie anschaulich als den ewigen Tod. Das geschieht, um uns vor der Torheit der Be- quemlichkeit und der Gleichgltigkeit zu bewahren. Christus sagt: Es kommt die Nacht, da niemand mehr wirken kann (Joh 9, 4). 
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Heute und morgen mssen wir das Leben whlen, das ewige Leben bei Gott, indem wir die Zeit nutzen, die Gott uns schenkt und das Leben der Gnade in uns festigen und vertiefen. Das bedeutet, dass wir uns bemhen um Ehrlichkeit im Reden und Tun, dass wir saubere und gute Arbeit leisten, dass wir selber zurcktreten hinter unseren Aufgaben, dass wir den niederen Menschen in uns bezwingen und unsere Triebe durch den Geist beherrschen. Das bedeutet, dass wir in Demut vor Gott leben, im Gebet mit ihm verbunden und mit den Hei- ligen, den Gliedern der triumphierenden Kirche, und dass wir unser inneres Leben nhren durch die Sakramente der Kirche. Amen. 

PREDIGT ZUM ALLERHEILIGENFEST, GEHALTEN AM 1. NOVEMBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
ICH SAH EINE GROSSE SCHAR AUS ALLEN VLKERN, STMMEN, NATIONEN UND SPRACHEN, SIE STANDEN VOR DEM THRON DES LAMMES
Es ist schon mehr als drei Jahrzehnte her, da wurde durch das Allensbacher Institut fr De- moskopie eine groe Befragung durchgefhrt. Eine der vielen Fragen lautete damals: Ein- mal angenommen, Sie knnten sich mit jemandem unterhalten, der sich in Lebensfragen und Glaubensfragen gut auskennt, worber wrden Sie dann gern mit ihm sprechen? Von 15 vorgegebenen Antworten waren die wichtigsten anzukreuzen. Eine Antwort lautete: Ob es ein Fortleben nach dem Tode gibt oder ob mit dem Tod alles aus ist. Diese wurde von den Allermeisten am hufigsten angekreuzt. Die Allermeisten interessierten sich vornehm- lich fr den Tod und fr das, was danach kommt. Besonders gro war hier die Zahl bei den jungen Menschen bis 25 und bei den lteren ab 55. Das Meinungsbild wird sich bis heute nicht wesentlich verndert haben.
Der Tod und das Fortleben nach dem Tod ist das Thema auch heute noch, nicht nur bei den  glubigen Katholiken, auch bei den Glubigen anderer Konfessionen und Religionen, aber auch bei den dem Glauben Fernstehenden, bei denen, die sich abgewandt haben von jeder religisen Praxis und bei den dezidiert Unglubigen. Genau auf diese Frage gibt das Fest Allerheiligen eine Antwort. Sie lautet: Es gibt keinen Tod, es gibt nur eine Umwandlung, einen Hinbergang, eine Umwandlung von der gegenwrtigen in eine neue Seinsweise. 
Allerdings, die neue Seinsweise ist nicht gleich fr alle, sie ist bestimmt von dem Leben, das wir auf dieser Erde fhren.
Immerhin gilt: Wer einmal ins Dasein getreten ist, kann ihm nicht mehr entkommen. Das ist trstlich fr uns, zugleich aber beunruhigend, unter Umstnden gar bengstigend.
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Wir Menschen gehren zu jenen glcklichen und unglcklichen Wesen, fr die es zwar einen Anfang gibt aber kein Ende. Ein Ende unserer irdischen Existenz, ein Ende unseres leiblichen Lebens, ja, das gibt es, aber nicht ein Ende dessen, was sich dahinter verbirgt, des Lebens, das verborgen ist in den tiefsten Tiefen unseres leiblichen Lebens. 
Das wissen die Menschen, das wussten sie schon immer, dennoch zweifeln sie daran und fragen danach, immer wieder aufs Neue, weil dieser Gedanke so gewaltig ist, so aufrttelnd, so erschtternd. Ja, sie leugnen diese Wirklichkeit, um sich ber den Verpflichtungscharak- ter, um sich ber die Schicksalstrchtigkeit dieses ihres irdischen Lebens hinwegzusetzen. Wir besitzen als Menschen nmlich die Fhigkeit, uns ber unangenehme Dinge hinwegzu- setzen, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschlieen, wenn sie uns fordert.
Unser Herz ist zwiespltig. Manchmal denken wir: Es wre schn, wenn es mit uns einmal vllig zu Ende ginge, wenn nichts mehr brig bleiben wrde, dann aber denken wir wiede- rum, und dieser Gedanke ist strker in uns: Es darf nie zu Ende gehen mit uns. Aber ob wir wollen oder nicht, es geht weiter, es gibt kein Ende fr uns. Und dieses unser Leben trgt die Last der Ewigkeit. Was wir heute denken und tun, das wird morgen unser Schicksal sein. Unsere Bestimmung ist die Gemeinschaft der Vollendeten, jene Gemeinschaft aus allen Vlkern, Stmmen, Nationen und Sprachen, die, angetan in weien Gewndern, Palm- zweige in ihren Hnden tragen, von denen die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes spricht (Apk 7,9 f). Das sind jene, die auf Erden den Geist der acht Seligkeiten verwirklicht haben, die Christus nachgefolgt sind und ihre Hoffnung nicht auf die Gter dieser Welt ge- setzt haben, nicht selten wurden sie in ihrem Leben verkannt von den Menschen, verfolgt oder belchelt, aber wertvoll war dieses ihr Leben in den Augen Gottes.
Sie kamen aus der groen Trbsal, die Vollendeten, so heit es weiter in der Geheimen Offenbarung (Apk 7, 14). Das will sagen: Ihr Leben war durch das Kreuz gekennzeichnet, es war ein Leben des Kampfes. Trnen und Bitterkeit bestimmten viele Tage und Nchte ihres Lebens. Das alles ist nun vorber. Sie haben den Lohn ihrer Treue erhalten.
Ihre Vergangenheit aber soll unsere Gegenwart sein. In diesem Sinne sagt der begnadete mystische Dichter Angelus Silesius im 17. Jahrhundert: Wenn du nur ernstlich willst, so ist der Himmel dein, wie unermesslich reich kann auch der rmste sein.
Nicht alle gelangen jedoch zu dieser Bestimmung und - nicht wird sie allen im gleichen Ma- e zuteil. Das Ma der Glckseligkeit des Himmels ist die Liebe zu Gott. Bei Paulus lesen wir: Wer reichlich st, wird reichlich ernten (2 Kor 9, 6). Das sagt uns schon die Vernunft, das msste uns eigentlich schon die Vernunft sagen.
Worin die Glckseligkeit des Himmels besteht, Genaueres knnen wir darber nicht sagen, denn wie Gott alle unsere Vorstellungen bersteigt, so verhlt es sich auch mit der Glck- seligkeit der Vollendeten. Das Eine wissen wir: Sie geht aus der inneren Verbundenheit mit Gott hervor, und sie besteht in der Anschauung Gottes. 
Die Erinnerung an unsere nie vergehende Existenz und an unsere endgltige Bestimmung soll uns trsten und froh machen, sie soll uns aber auch helfen, den tiefen Ernst unserer ir- dischen Pilgerschaft immerfort vor Augen zu haben. 
Wie der Baum fllt, so bleibt er liegen, heit es schon im Alten Testament im Buch des Predigers (Pred 11, 3). Es kommt die Nacht, so sagt Christus, in der niemand mehr wirken kann (Joh 9, 4). 
Den Weg zur Vollendung zeigen uns die Heilige Schrift und die Verkndigung der Kirche. Gott selber fhrt uns auf diesem Weg, wenn wir ihn suchen in unseren Gebeten und die Sa- kramente der Kirche empfangen. Die Heiligen sind uns dabei Vorbilder und Frsprecher. Es gilt, dass wir auf sie schauen und dass wir sie anrufen in unseren Gebeten. Verschieben wir die Bekehrung nicht auf den letzten Augenblick! Die Heiligen waren Menschen, die mit Gott lebten, deswegen starben sie auch mit ihm.
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Unsere Berufung zur Gemeinschaft mit Gott erhlt ihre besondere Bedeutung angesichts der Tatsache, dass es fr uns keine Vernichtung, kein Aufhren gibt. Wir alle gehen einer neuen Seinsweise, der endgltigen, entgegen, aber nicht alle haben das gleiche Schicksal. Wie uns der doppelte Ausgang der Geschichte verheien ist, so gibt es auch zwei mgliche Aus- gnge fr die individuelle Geschichte eines Jeden: Ewige Gemeinschaft mit Gott oder ewige Trennung von ihm. Die Alternative des ewigen Lebens bezeichnen wir treffend als den ewi- gen Tod, sie ist gewissermaen ein unaufhrliches Sterben. Diese Wirklichkeit muss uns ein Ansporn sein zur Wachsamkeit.  Alte Volksweisheit mahnt uns: Wie man glaubt, so lebt man, wie man lebt, so stirbt man, wie man stirbt, so bleibt man. 
Kardinal Newman, einer der grten Gottesgelehrten des 19. Jahrhunderts sagt einmal ber das Amt des Predigers: Sein ganzes Tun ist dazu bestimmt, die Menschen daran zu erin- nern, dass die  Zeit kurz, der Tod gewiss und die Ewigkeit lang ist (J. H. Newman, Predig- ten, Gesamtausgabe, Bd. VIII, Stuttgart 1956, 150). Amen.

PREDIGT ZUM 31. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 30. OKTOBER 2005 
IN  FREIBURG, ST. MARTIN
SIE BINDEN SCHWERE, JA, UNTRAGBARE LASTEN UND LEGEN SIE AUF DIE SCHULTERN DER MENSCHEN, SELBER ABER WOLLEN SIE KEINEN FINGER DAFR BEWEGEN
Der Kernsatz des heutigen Evangeliums lautet: Sie (gemeint sind die Phariser und Schrift- gelehrten) binden schwere, ja, untragbare Lasten und legen sie auf die Schultern der Men- schen, selber aber wollen sie keinen Finger dafr bewegen. Dieser Satz ist oft missdeutet worden - im Sinne eines leichteren und bequemeren Christentums, so, als ob es auf die Ta- ten nicht ankomme. Damit reit man den Satz aber aus dem Zusammenhang heraus. Jesus redet nicht der Laxheit und der Bequemlichkeit das Wort. Das tut er an keiner Stelle. Was er hier sagen will, ist vielmehr das, dass man die Forderungen, die man an andere richtet, erst einmal selber erfllen muss, dass man die Predigt, die man anderen hlt, sich zuerst selber halten muss. Das gilt fr alle, erst recht fr jene, die besondere Verantwortung tragen im Reich Gottes oder in der Kirche - das Reich Gottes ist umfassender als die Kirche. 
Damit ist aber auch das gesagt, dass man seine eigene Bequemlichkeit oder sein eigenes Versagen nicht zum Mastab seiner Forderungen anderen gegenber machen darf, dass man vielmehr nicht nur die Forderungen, die man stellt, sondern auch sein persnliches Leben, sein eigenes Tun und Lassen, immer wieder an dem Anspruch Gottes messen muss.
Unter Umstnden darf man den Menschen auch schwere Lasten auferlegen, ja, muss man es gar, aber man muss sie dann auch selber tragen. Das ist ein wichtiger Grundsatz, den sich vor allem auch jeder Erzieher zu Eigen machen muss, jeder, der hier besondere Verantwor- tung trgt. Allzu oft geht es schief mit der Erziehung, weil sie oft allzu sehr theoretisch ist.
Es geht Jesus in dieser seiner Mahnrede an die Phariser, die der Gegenstand des Evangeli- ums heute ist, um die rechte Gesinnung, um die Lauterkeit des Herzens, um die innere Auf- richtigkeit und um die Tugend der Wahrhaftigkeit, um nichts Anderes. 
Damit sind wir alle angesprochen, denn ob wir Priester oder Laien sind, Eltern oder Kinder, Untergebene oder Vorgesetzte, junge oder alte Menschen: Wir mssen Gottes Gesetz vertre- ten, verknden, einfordern und drfen es nicht verwssern - diese Versuchung ist gro, wenn der Glaube schwach ist, sie wird um so grer, je schwcher der Glaube ist -, wir drfen das Gesetz Gottes nicht verwssern, mssen dabei aber stets mit gutem Beispiel vorangehen. 
Das, was wir anderen vorlegen, mssen wir uns selbst zunchst einmal zu Eigen machen. Tun wir das nicht, so sind wir nicht ehrlich und aufrichtig, heucheln wir und verfehlen wir uns damit vor Gott in einem bedeutsamen Punkt, an entscheidender und grundlegender Stelle. 
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Fr die Heuchelei werden in den Evangelien viele Bilder verwendet. Da ist die Rede von den Wlfen in Schafspelzen, von bertnchten Grbern, von den Blinden, die Blinde fhren wollen, von denen, die ihre Frmmigkeit zur Schau stellen, von den Vielrednern und von denen, die Lippenbekenntnisse ablegen. Exponenten dieser Heuchelei, dieser Scheinheilig- keit, sind zur Zeit Jesu die Phariser und die Schriftgelehrten. Ihre Unehrlichkeit wird ihnen von Jesus immer wieder zum Vorwurf gemacht. Daher bezeichnen wir heute all jene als Phariser, die die Religion fr sich selber ausschlachten, die religises Theater spielen, die so verlogen sind, dass sie meinen, sie knnten auch Gott noch belgen. 
Der Phariser macht sogar Gott seinen Zwecken und Zielen dienstbar. Im Allgemeinen verflscht er das Gesetz Gottes nicht, jedenfalls nicht inhaltlich, er lsst den Buchstaben schon stehen, aber nur fr die anderen, nicht fr sich selber, kurz, er redet anders als er handelt: Fr ihn selber, also den Phariser, gilt die Ehre, fr die anderen die Last. Er hat eine ganz und gar falsche Grundhaltung, der Phariser. Und je lnger sein Theaterspiel dauert, sein religises Theaterspiel,  um so mehr wird er blind fr seinen Zustand. So ist es immer: Je mehr wir uns mit der Snde anfreunden, je mehr wir uns auf sie einlassen, umso schwerer wird die Bekehrung fr uns.
Sich mit der Ehre vor den Menschen zu begngen und damit sein Gewissen zuzudecken, sein Gewissen gleichsam zu ersticken, das ist eine groe Versuchung fr einen jeden von uns. Nicht nur fr die, die bereits ein gewisses Ma an Ehre gefunden haben, fr die Einfluss- reichen, fr die Bedeutenden und fr die allgemein Anerkannten ist das eine Versuchung. Im Gegenteil: Zuweilen begegnet man sehr einflussreichen Leuten, Menschen, die viel an uerer Ehre gefunden haben, innerlich dabei jedoch schlicht und bescheiden geblieben sind und sich ganz und gar der Tugend der Wahrhaftigkeit verpflichtet fhlen. Es kommt auf die Blickrichtung an: Sehen wir auf uns selbst oder auf Gott? Wenn wir in der Gegenwart Gottes leben, im Angesicht Gottes, so werden wir am ehesten der pharisischen Versu- chung, der Versuchung zu Unehrlichkeit und zur Unwahrhaftigkeit, zur Veruerlichung und zur Oberflchlichkeit im Religisen entgehen.
Wie Kinder sollen wir vor Gott leben. Das unverbildete Kind ist einfach und geradlinig, ohne Arg und wahrhaftig.
Wenn wir so mehr auf die Beachtung durch Gott als auf die Beachtung durch die Menschen sehen, so ist das eine Hilfe auch fr unser natrliches Leben. Es wird harmonischer. Und wir werden ausgeglichener und unabhngiger, unangefochtener und zufriedener.
Schlimmer noch, als wenn man anders redet als man handelt, ist es - darauf muss in diesem Zusammenhang unbedingt hingewiesen werden -, wenn man die Wahrheit nun auch noch im Reden verflscht. Es ist ein fortgeschrittenes Stadium der religisen Veruerlichung und der sittlichen Verdung, wenn auch die Forderungen nicht mehr gestellt werden, wenn man seine eigene Trgheit und Gleichgltigkeit zum allgemeinen Mastab erhebt, wenn man in dem soeben genannten Kernsatz des Evangeliums nur noch die erste Hlfte liest und sie aus dem Zusammenhang herausreit und bei ihr mit der Kritik beginnt.
Nicht das ist falsch, dass die Phariser und die Schriftgelehrten schwere Lasten binden und sie auf die Schultern der Menschen legen, das entspricht manchmal durchaus dem Willen Gottes, vielleicht gar oft, sondern falsch ist es, die Lasten selber nicht mitzutragen. Jesus sagt im Evangelium nicht: Tut das, was die Phariser euch vormachen. Er sagt: Tut das, was sie euch sagen! Wichtiger noch als dass wir die Wahrheit leben, ist es, dass wir sie artikulieren und verknden.
Es ist gut, wenn das Richtige wenigstens noch beim Namen genannt wird, selbst wenn die Lehrer der Wahrheit im Hinblick auf ihr eigenes Tun versagen. Damit knnen sie, die Lehrer der Wahrheit, allerdings vor Gott nicht bestehen. Zudem ist dann immer die Gefahr gege- ben, dass sie auf die Dauer auch die Wahrheit verdrehen und sie nicht mehr vollstndig vertreten. 
Niemand von uns ist frei davon, von der Diskrepanz zwischen Reden und Handeln und - in- folgedessen - von dem Verdrehen der Wahrheit und von ihrer Verkrzung oder Abschw- chung.
Machen wir Gott nicht mehr zum Mastab fr unser eigenes Leben, nehmen wir ihn fr un- ser eigenes Leben nicht mehr ernst, so laufen wir Gefahr, dass wir bald auch seine Forde- rungen zurckschrauben, schon um unser Gewissen, das doch immer wieder erwacht und sich regt, zu entlasten. Beispiele dafr sind heute Legion. Jeder kann davon berichten, wenn er nur seine Augen aufmacht und sein Herz ffnet.
*
Was wir fordern, das mssen wir auch leben. Darum mssen wir uns wenigstens bemhen. Das muss stets geschehen im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott. Die Ablehnung, die die Phariser und die Schriftgelehrten durch Jesus erfahren, muss uns zur Warnung dienen. Gott ist ein fordernder Gott. Die Verantwortlichen in der Kirche mssen uns daher mit dem fordernden Gott konfrontieren. Damit mssen sie freilich immer bei sich selber beginnen. Dem Imperativ der Wahrheit, ihm darf sich allerdings niemand von uns entziehen. Stets ist er fr uns eine Frage des Heils. Wer sich gegen die Wahrheit stellt, stellt sich gegen Gott. Amen.

PREDIGT ZUM 30. SONNTAG IM KIRCHENJAHR (WELTMISSIONSSONNTAG), GEHALTEN 
AM 23. OKTOBER 2005 IN FREIBURG, ST. MARTIN
MIR IST ALLE MACHT GEGEBEN IM HIMMEL UND AUF ERDEN, GEHT DAHER 
HIN UND LEHRET ALLE VLKER, UND TAUFET SIE
Der heutige Sonntag steht im Zeichen der Weltmission, der Ausbreitung des Glaubens. Er will uns daran erinnern, dass die missionarische Gesinnung, unser aller Verantwortung fr die Ausbreitung des Glaubens, ein wesentlicher Punkt unseres Christenlebens ist und dass wir nicht aufhren drfen, uns einzusetzen und zu beten fr die Verkndigung des Evan- geliums in einer Welt, die unglcklich ist im Blick auf die Gegenwart und ratlos im Blick auf die Zukunft, weil sie die Offenbarung Gottes, weil sie die Botschaft der Kirche, nicht kennt oder sich ihr gegenber verschliet. Das Interesse an der Ausbreitung des Glaubens und der Einsatz dafr sind der Gradmesser fr die Tiefe unseres Glaubens und fr die innere Kraft der Kirche. Ein unsicher gewordener Glaube und ein veruerlichtes Christentum sowie eine im Glauben schwach gewordene Kirche, die zudem auch noch uneins geworden ist, sie knnen keine missionarische Begeisterung entwickeln, sie knnen keinen oder nur wenige Unglubige oder Andersglubige berzeugen. Vor allem aber knnen wir dann kein Inter- esse haben am inneren und ueren Wachstum der Kirche, wenn wir sie nicht lieben. Eine Besinnung am Weltmissionssonntag muss daher schon an diesem Punkt ansetzen. Wir m- ssen wieder die Voraussetzung schaffen fr die Expansion der Kirche. 
*
Was wir nicht haben, knnen wir nicht geben. Ein starker und lebendiger Glaube drngt na- trlicherweise dahin, dass er sich mitteilt. Wovon das Herz voll ist, davon fliet der Mund ber, sagt das Sprichwort. Wer nicht missionarisch gesinnt ist in seinem engeren Lebens- kreis, der kann auch keinen Sinn haben fr die Ausbreitung der Kirche dort, wo sie noch nicht Fu fassen konnte. Das heit: Die Weltmission beginnt in der Familie, am Arbeitsplatz, im Kreis der Freunde, im gesellschaftlichen und im politischen Leben. Die Expansion der Kirche im Groen setzt ihre Expansion im Kleinen voraus. 
Des fteren hrt man heute aus dem Munde von Katholiken, vor allem von sogenannten en- gagierten, man solle doch den Menschen nicht das Christentum, erst recht nicht das katho- lische, aufdrngen. Im Hintergrund steht da die Auffassung, dass jeder nach seiner Facon se- lig werden soll. Wer so denkt, fr den ist der Glaube als solcher problematisch geworden, ob er es wahrhaben will oder nicht. Auf jeden Fall hat der, der so denkt,  inzwischen viele Ge- sinnungsgenossen, ja, man mchte beinahe sagen: unzhlige. Dennoch ist es so: Wer die Wahrheit gefunden hat, kann sie nicht in seinem Herzenskmmerlein verbergen. Die Wahr- heit drngt nach auen hin, sie will bezeugt sein. Nicht fanatisch, aber fest und unbeugsam, einsatzbereit und selbstlos. 
Darin findet die Notwendigkeit der Weltmission eine erste Begrndung, in dem Anspruch der Wahrheit. Wer sie gefunden hat, die Wahrheit, muss sie bezeugen. Das gilt im Alltag schon bei weniger weltbewegenden Wahrheiten, um wie viel mehr gilt das, wenn es um die Wahr- heit des Gotteswortes geht.
Eine zweite Begrndung fr die Mission der Kirche ergibt sich aus dem ausdrcklichen Wil- len Christi, der immer wieder Gestalt gefunden hat in seinem Erdenleben, vor allem schlie- lich in dem Missionsauftrag des Auferstandenen. Er erschien seinen Jngern auf einem Berg in Galila, heit es im Matthus-Evangelium, und er sprach zu ihnen:  Mir ist alle Macht ge- geben im Himmel und auf Erden: Geht daher hin und lehret alle Vlker und taufet sie (Mt 28,19). Mit diesem groen Missionsauftrag verbindet der Auferstandene die Verheiung, dass er bei seinen Jngern sein wird bis zu seiner Wiederkunft am Ende aller Tage.
Er ist das Vermchtnis des Herrn, dieser Missionsauftrag, er ist das Abschiedswort Jesu an seine Jnger, als er ihnen zum letzten Mal erschienen war. Ein Vermchtnis aber muss man in Ehren halten. Es verpflichtet mehr als alle anderen Auftrge und Wnsche, die Menschen hinterlassen. Seine treue Erfllung gebietet schon der menschliche Anstand, umso mehr ge- bieten sie die Tugenden der Piett und des religisen Gehorsams.
Es gibt noch eine dritte Begrndung fr die Notwendigkeit der Weltmission, fr unsere Ver- antwortung fr die Ausbreitung des Glaubens - davon ist heute im Evangelium die Rede - ,  das ist die Nchstenliebe. 
Sie, die Nchstenliebe, beinhaltet nmlich nicht nur die Hilfe in den leiblichen Nten, son- dern auch, ja, in erster Linie, in den geistigen Nten. Denn wichtiger als das irdische Wohl ist das ewige Heil.
Mit den zwlf Aposteln und einer kleinen Zahl von Jngern hat es einst angfangen. Die Zahl der Anhnger Jesu wuchs schnell, vor allem nach seiner Auferstehung. Heute bekennt sich ungefhr ein Drittel der Menschheit zum Christentum und etwas mehr als die Hlfte davon zur katholischen Kirche. Das ist eine stolze Bilanz, ohne Frage, eine stolze Bilanz, die al- lerdings relativiert wird, wenn man sich der vielen erinnert, die noch nicht zum Christen- tum gefunden haben. In Japan sind es 99 %, auch in Indien und China und berhaupt in Asien sieht es trb aus, wenn man einmal von Sdkorea absieht. Noch einmal wird die stol- ze Bilanz relativiert durch die vielen Namenschristen, durch das neue Heidentum, das sich in den christlichen Lndern ausbreitet, durch den unbersehbaren Abbau des Christentums und durch das vielfltige rgernis der Getauften berall in der Welt, mehr oder weniger, am meisten wohl noch in den Lndern der so genannten westlichen Welt. 
Allgemein muss man - mit groem Bedauern - sagen, dass die Flamme des Glaubens bei vielen erloschen ist oder nur noch unruhig flackert, bei den Hirten und bei der Herde. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass die missionarische Begeisterung heute bei Null ange- kommen ist und dass die Kirche so wenig berzeugen kann, dass sie vielfach nicht einmal mehr daran interessiert ist. 
Wir mssen feststellen, dass sich die Mission der Kirche heute in einer Krise befindet wie nie zuvor. In den vierziger und fnfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg, gab es noch einmal einen groen Aufbruch. Heute ist er wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Es steht zwar noch viel Geld zur Verfgung, es wird auch noch viel gespendet fr die Mission, aber schwach ist das Personal und noch schwcher ist die echte und tiefe Motivation. 
Hinzukommt, dass viele von Mission reden, aber Entwicklungshilfe meinen. Ebenso viele wollen an die Stelle der Mission den Dialog setzen. Das heit: Die einen bleiben beim irdi- schen Wohlergehen stehen, und die anderen wagen es nicht mehr, mit dem Wahrheitsan- spruch der Botschaft der Kirche vor die Menschen hinzutreten, oder sie wissen gar nicht mehr um die Wahrheit dieser Botschaft. 
Da ist das Beispiel der groen Missionare der Kirche vergessen, eines Benedikt von Nursia, eines Bonifatius, eines Franz Xaverius, eines Arnold Jansen, die auf je verschiedene Weise, aber alle in entschiedener Weise, den klaren Auftrag Christi erfllt haben: Lehret alle Vl- ker, das heit: Macht alle Vlker zu meinen Jngern. 
Die Mission, die Ausbreitung des Glaubens, ist nicht nur Entwicklungshilfe, sie darf nicht nur Entwicklungshilfe sein, zweifellos ist sie das auch, sie muss es gar auch sein, aber nicht nur. Die Mission, die Ausbreitung des Glaubens, ist nicht nur Dialog und Prsenz der Kirche, das ist sie auch, sie muss es auch sein, aber auch und vor allem muss sie selbstbewusste und verantwortungsbewusste Verkndigung der Botschaft der Kirche sein, der Botschaft von der Erlsung und vom ewigen Leben, Verkndigung mit dem Anspruch Gottes, der allen Men- schen das irdische und das ewige Heil bringen will. 
*
Wenn heute an die Stelle der missionarischen Begeisterung, die die Kirche in allen Jahr- hunderten ihrer Geschichte begleitet hat, Ernchterung und Desinteresse getreten sind, so ist das ein Zeichen fr den unguten Zustand der Kirche und fr unseren schwach gewordenen Glauben. 
Unserer missionarischen Verantwortung knnen wir nur dann gerecht werden, wenn wir einen festen Standort im Glauben gefunden haben und wenn wir unseren Glauben in der Welt des Alltags bekennen und bezeugen. 
Nicht nur Entwicklungshilfe und Dialog, nicht nur irdisches Wohl und unsicheres Angebot der christlichen Wahrheit meint die Weltmission, sondern die Verkndigung der Wahrheit Gottes und das ewige Heil der Menschen als Voraussetzung fr ihr irdisches Wohlergehen. 
Die Verantwortung der Kirche fr die Mission, und das ist unsere Verantwortung, ruht in dem Anspruch der Wahrheit, in der Nchstenliebe und vor allem im Auftrag Christi, des Stifters der Kirche. 
Sie beginnt dort, Gestalt anzunehmen, wo wir uns um einen festen und konsequenten Glau- ben bemhen, wo wir uns bemhen, die Kirche zu lieben und wo wir beginnen, zu beten fr die Ausbreitung der Kirche. Das ist wichtiger als alles Geldspenden. Davon knnen wir uns nicht mit Geld frei kaufen. Amen. 

PREDIGT ZUM 29. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 16. OKTOBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
GEBT DEM KAISER, WAS DES KAISERS IST, GEBT ABER GOTT, 
WAS GOTTES IST
Die salomonische Antwort Jesu im Evangelium des heutigen Sonntags erinnert uns daran, dass wir zwar in dieser unserer sich fortwhrend wandelnden Welt leben, gleichzeitig aber der Ewigkeit gehren, dass wir gleichsam Wanderer sind zwischen zwei Welten, dass wir dem Diesseits und dem Jenseits angehren. Wir leben in dieser vergnglichen Welt, sind aber berufen zum Leben in einer unvergnglichen Welt. Daher gibt es fr uns die zeitlichen Aufgaben und die berzeitlichen, die weltlichen Angelegenheiten und die religisen. Wir mssen dem Kaiser geben, was ihm zukommt, das heit: wir mssen unsere irdischen Auf- gaben erfllen, drfen aber Gott darber nicht vergessen, der auch seine Ansprche an uns stellt. Und mehr noch, wir mssen unsere weltlichen Pflichten so erfllen, dass diese Er- fllung ein Ausdruck unserer Liebe zu Gott wird, so dass wir damit vor Gott bestehen kn- nen, so dass wir uns in der Erfllung unserer weltlichen Aufgaben vor Gott bewhren. Unser Dienst vor Gott, das ist das Erste und das alles Umfassende. So entspricht es der Schpfungs- und der Erlsungsordnung Gottes.
Die zwei Bereiche, in denen wir unser Leben fhren, in denen wir unser Leben fhren sol- len gem dem Willen Gottes, sollen heute morgen der Gegenstand einer kurzen Betrach- tung sein. 
*
Viele kennen sich heute sehr gut aus in den zeitlichen Angelegenheiten. So gut kennen sie sich darin aus, so sehr sind sie darin zu Hause, dass sie darber die religisen Angelegen- heiten bersehen und vergessen.  Die gegenwrtigen Aufgaben und Mglichkeiten ihres Le- bens beanspruchen sie in einem solchen Mae, dass sie die Vorlufigkeit dieser irdischen Welt nicht mehr bedenken und die kommende Welt vllig aus den Augen verlieren. Sie le- ben und schaffen so, als ob es immer so weiterginge. 
Wenn man sie fragt, warum sie so einseitig, so reduziert, leben, warum sie nicht beten und in den Gottesdienst gehen, warum sie nicht die Sakramente empfangen und die Gebote Got- tes nicht achten, sie nicht halten und nicht fr sie eintreten, so erklren sie vielleicht, dafr htten sie keine Zeit. Was sie meinen, ist jedoch etwas anderes: Es fehlt ihnen nicht die Zeit, sondern die Glaubensberzeugung. Sie haben ihren Glauben verloren - mehr oder weniger, - oder man hat ihn ihnen genommen, oder sie haben ihn nie kennengelernt. Das gestehen sie sich indessen nicht ein, weil man den Unglauben immer noch fr einen Mangel hlt oder ein Leben ohne eine religise berzeugung fr eine fragwrdige menschliche Haltung. Mglicherweise geben sie dem Kaiser, was des Kaisers ist, aber Gott geben sie nicht, was ihm zukommt. Dabei tun sie des fteren so, als ob sie es nicht besser wssten. In manchen Fllen wird das sogar stimmen, aber hufiger wissen sie es besser, setzen sich jedoch darber hinweg. Sie vertreten etwa die Meinung, man brauche Gott nicht zu beachten im Leben und knne dabei doch ein guter Mensch sein. Sie meinen das wirklich zuweilen, aber hufiger rechtfertigen sie sich auch nur auf diese Weise, reden sie so wider besseres Wi- ssen. Da muss man ihnen immer wieder das Wort Jesu entgegenhalten: Was ntzt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele (Mt 16, 26).
Geld und Reichtmer, Ehre bei den Menschen und Macht und die Gensse des Lebens, das alles vergeht, aber wir selber, wir vergehen nicht. Das wissen wir, aber oft wollen wir es nicht wissen, oft vergessen wir es aber auch.
Die tiefste Ebene unserer Person, das, was sich uert, wenn wir ich sagen, oder das, was wir das Selbstbewusstsein nennen, das berdauert alle Vergnglichkeit.
Und wir mssen unser Leben einmal vor Gott verantworten. Einmal heit es fr einen jeden von uns: Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung (Lk 16,2)!  Dann gelten andere Mast- be als jene, die bei den Menschen gelten, bei den Menschen, die sich eine Welt ohne Gott aufgebaut haben. Dann kommt es darauf an, dass wir Gott nicht vergessen haben, dass wir im Angesicht unserer ewigen Bestimmung gelebt haben, dass wir unsere irdischen Pflichten und Aufgaben so erfllt haben, dass sie ein Ausdruck unserer Liebe zu Gott sein konnten. Vor Gott sind wir Verwalter, Knechte sind wir vor Gott, und Rechenschaft mssen wir einmal ablegen vor ihm.
Gott ist barmherzig! Damit trsten sich viele, wenn sie sich an ihre religisen Versumnisse erinnern oder an diese erinnert werden. Das ist richtig! Gott ist barmherzig, in der Tat, aber er ist auch gerecht. Um es genauer zu sagen: Seine Barmherzigkeit ist die Gestalt seiner Ge- rechtigkeit. Die Barmherzigkeit Gottes wrde jedoch in jedem Fall grndlich missverstan- den, wenn sie als ein Freibrief fr ein Leben verstanden wrde nach dem Motto gut ist, was gefllt.
Am Ende kommt es darauf an, dass wir mit Gott gelebt haben, im Gebet und in den Sakra- menten und in der Erfllung der Gebote, kurz: dass wir in greren Zusammenhngen unser Leben gelebt haben. Dann kommt es darauf an, dass wir nach oben geschaut haben in un- serem Leben und dass wir im Angesichte Gottes gelebt haben. Wenn jemand heute Gott ver- geblich warten lsst, morgen lsst Gott ihn vergeblich warten. Das ist die Wahrheit.
Jesus sagt: Es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann (Joh 9,4). Wer Gott hier, auf dieser Erde, in diesem Leben, verachtet oder ihn einfach nur links liegen lsst, der wird einmal das Wort vernehmen: Ich kenne euch nicht (Mt 25,12). Einmal ist die Mg- lichkeit der Bekehrung vorber. 
Ein Student, der Priester werden mchte, eine Zeitlang war er in einem polnischen Priester- seminar gewesen, erklrte mir krzlich, sein Bischof habe ihm und den anderen Seminari- sten gesagt, die Entscheidung fr Gott oder gegen ihn falle erst nach dem Tod, das irdische Leben spiele dabei keine Rolle. Das ist im Grunde New Age-Theologie, Theologie im Sinne der sanften Verschwrung im Zeichen des Wassermannes. Ich denke nicht, dass der Stu- dent den Bischof falsch verstanden hat. Sollte das aber der Fall sein, htte dieser sich da- durch schuldig gemacht, dass er sich nicht klar genug ausgedrckt htte. Das Ganze ist je- denfalls ein Zeichen fr die geistige Verwirrung in der Kirche heute und in ihrer gegenwr- tigen Verkndigung.
Entscheidend fr unsere Ewigkeit ist unser Verhalten in diesem Leben. Das ist ein Grund- gedanke in der ganzen Gottesoffenbarung, im Alten wie im Neuen Testament. 
Es ist richtig: Gott braucht uns nicht! Aber wir, wir brauchen ihn. Das Leben ohne Gott und gegen Gottes Gebote ist im Grunde eine Katastrophe fr den Menschen, es sei denn, er ist ohne eigene Schuld verblendet. Das gilt heute sicherlich mehr denn je, das Verblendetsein ohne eigene Schuld, bedingt durch eine fragwrdige Erziehung daheim, durch gewissenlo- se Miterzieher drauen, durch eine unklare oder auch permissive Verkndigung in der Kir- che, durch eine unglubige Umgebung in der Welt der Arbeit und der Freizeit, durch per- snliche Schuldverstrickung, durch  unbewltigte Lebenssituationen und nicht zuletzt durch schlechte Freunde.
Verblendung ohne eigene Schuld, das gibt es. Deshalb drfen wir fr jeden Hoffnung haben, der ohne Gott lebt und sich nicht um die Gebote Gottes kmmert, aber gleichzeitig mssen wir auch um sein Heil frchten.
Auf jeden Fall ist die Vernachlssigung der religisen Pflichten ein Spiel mit dem Feuer. 
*
Wichtiger als irdische Tchtigkeit ist die Ausrichtung des Lebens auf die Ewigkeit. Die reli- gisen Angelegenheiten haben einen greren Stellenwert als die irdischen. Wir sollen dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, aber Gott, was Gottes ist. Das Letztere hat dabei je- doch immer den Vorrang. Ja, wir sollen auch unsere weltlichen Aufgaben aus Liebe zu Gott erfllen und so unser Leben zu einem lebendigen und lebenslang fortdauernden Gottes- dienst machen. Es ist unsere Berufung und unsere Aufgabe, dass wir so die profane Welt heimfhren zu Gott und dass wir so durch sie das ewige Heil finden. Amen.

PREDIGT ZUM 28. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 9. OKTOBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
DAS MAHL IST BEREITET, ABER DIE EINGELADENEN WAREN NICHT WRDIG, 
DARAN TEILZUNEHMEN
Wie Christus, der menschgewordene Gottessohn, in seinem Erdenleben die Menschen zum kniglichen Hochzeitsmahl eingeladen hat, zur ewigen Gemeinschaft mit Gott, so tut das heute die Kirche in ihrer Verkndigung, in ihrem apostolischen Dienst. Es ist Christus selber, der durch seine Kirche spricht. Und die Antworten, die er einst erhalten hat, erhlt heute seine Kirche, erhalten heute seine Boten, bis zum Jngsten Tag. Immerzu ist es die Aufgabe der Kirche, die Menschen zum kniglichen Hochzeitsmahl zu rufen, ihnen die Einladung Gottes vor Augen zu stellen, und immerzu ist die Reaktion der Eingeladenen die gleiche, eine vierfache, gerade so, wie es uns das Gleichnis des Evangeliums des heutigen Sonntags schildert.
*
Die einen reagieren uninteressiert, sie sind gleichgltig. Sie htten sich geehrt fhlen m- ssen, zur Hochzeit des Knigssohnes eingeladen worden zu sein. Umso schwerwiegender ist ihre Gleichgltigkeit und umso beleidigender ist ihr Desinteresse. 
Die Gleichgltigkeit der Menschen angesichts der Einladung der Kirche erleben wir heute mehr denn je. Viele ziehen die irdischen Gter den ewigen vor. Vielen ist das Gesprch mit den Menschen wichtiger als das Gesprch mit Gott. Ja, viele isolieren sich lieber vllig, in letzter Einsamkeit, als dass sie sich Gott zuwenden oder den Heiligen des Himmels. Die Erde interessiert sie mehr als der Himmel. Im besten Fall verschieben sie die positive Antwort auf die Einladung Gottes auf das Alter. 
Sie sind nicht feindselig, nicht dezidiert unglubig, die Gleichgltigen, aber ihre irdischen Interessen sind grer als ihr Interesse fr die Ewigkeit. Und wo immer sie tiefer nachden- ken, da kommen sie zu dem Ergebnis, dass niemand wei, ob es noch etwas gibt ber die alltgliche Wirklichkeit dieser sichtbaren Welt hinaus, wenn sie dann nicht gar definitiv be- haupten, dass es darber hinaus nichts mehr gebe.
Die Ablenkungen sind gro heute, und viele entschuldigen sich mit dem Stress, in dem sie sich angeblich befinden, was ihnen dann zudem noch das Bewusstsein vermittelt, irgendwie bedeutend zu sein, denn wer im Stress ist, der ist doch Wer, auf ihn warten viele. 
Aber wenn wir uns nicht fr Gott interessieren, dann wird auch Gott kein Interesse haben fr uns. Gehren wir zu der ersten Gruppe und bekehren wir uns nicht in der Zeit, dann wird das Urteil Gottes einmal lauten: Hinweg von mir, ich kenne euch nicht (Mt 25,12). 
Eine zweite Gruppe, das sind die erklrten Feinde des Knigs, im Gleichnis, in der Wirklich- keit sind das die Feinde Gottes und seiner Kirche. Sie benutzen die Einladung zur Hoch- zeitsfeier des Knigssohnes zu einem offenen Aufstand. Sie verkrpern die militant Anti- kirchlichen, die erklrten Kirchenfeinde. Sie wandeln ganz in den Spuren eines dominanten Zeitgeistes, konsequent. Sie meinen, die Religion sei Opium fr das Volk, sie sei etwas fr die Dummen, sie sei ein Hindernis fr ein glckliches Leben und ihre Zeit sei im Grunde schon lange vorber. Nicht selten sind sie irgendwie verbittert. Nur wer die Augen ver- schliet, sieht nicht, dass diese Gruppe heute im Wachsen begriffen ist. Sie bekmpfen die Kirche in Wort und Schrift und, wenn es mglich ist, auch mit uerer Gewalt. Zuweilen tun sie das gar innerhalb der Kirche. Das ist irgendwie ein Novum. Das hat es in frheren Zeiten  nicht gegeben, dass die Feinde der Kirche innerhalb der Kirche ihren Platz behaupteten. Wer aber gegen die Kirche kmpft, der kmpft gegen Gott, denn die Kirche ist Gottes Stell- vertreterin in der Welt. 
Die Auflehnung gegen Gott fhrt in die ewige Gottesferne. Ja, in dieser Welt und in diesem Leben fhrt sie bereits das Chaos herbei, jedenfalls sehr oft oder konsequenter Weise. Denn ohne Gott zerbrechen schlielich alle Ordnungen in der Welt. Die Hybris der bermen- schentums endet im Untermenschentum dmonischer Verfallenheit - so kann man es viel- leicht ein wenig plakativ sagen -, der Kampf gegen den Himmel fhrt in die Hlle. Auch das macht das Gleichnis deutlich: Der Knig bringt die Mrder seines Sohnes um und zerstrt ihre Stadt.
Eine dritte Gruppe wird vertreten durch den Mann, der nicht mit einem Festgewand beklei- det ist. Er folgt der Einladung, er will an der Hochzeit teilnehmen, aber es fehlt ihm die ent- sprechende Haltung und die entsprechende Gesinnung. Die Teilnahme an der Hochzeit ist also nicht gnzlich gratis. Er folgt nur halbherzig, er nimmt die Einladung im Grunde nicht ernst. Das aber wird ihm zum Verhngnis. Er htte ein hochzeitliches Gewand haben kn- nen, ein Festgewand, aber er hat es nicht fr notwendig erachtet, sich darum zu bemhen. In seinem Verhalten und in seiner Gesinnung liegt groe Verachtung gegenber dem Gast- geber, er beleidigt ihn zutiefst, und dadurch erweist er sich der Hochzeitsfeier unwrdig. Be- sser wre es gewesen, er wre der Einladung gar nicht gefolgt. So wird ihm ein hartes Schicksal zuteil, groes Unglck kommt ber ihn.
Diese Haltung und diese Gesinnung begegnen uns in der Kirche da, wo man uerlich mit- macht, innerlich aber woanders steht, wo die Beweggrnde nicht stimmen und wo man eigentlich nicht wei, fr was man sich entschieden hat. Verharren die solchermaen In- konsequenten in diesem Zustand, fallen sie tiefer als die Gleichgltigen.
Die Gleichgltigen, die erklrten Feinde der Kirche und die Inkonsequenten - man knnte sie vielleicht auch die Faulen nennen -, zu diesen drei Gruppen kommen noch jene hinzu, die rundum positiv reagieren angesichts der Einladung zum kniglichen Hochzeitsmahl, die die Einladung annehmen, die sich darauf einrichten und die Folgen daraus ziehen und darum das unerwartete Glck der nie endenden Hochzeitsfeier genieen drfen. Unerwartet ist das Glck, weil sie von den Straen und Wegen geholt werden, von den Hecken und Zunen, deshalb, weil die zuerst Geladenen nicht kommen wollten.
Sie haben nichts, aber eines haben sie, die Demut und die Bereitschaft, alles zu tun, um dem Knig Ehre zu machen. Sie wissen um die unverdiente Gnade der Einladung, sie wi- ssen, wer der ist, der sie ruft. Sie nehmen den Ruf dankbar an und suchen ihm zu entspre- chen. Sie haben die berzeugung gewonnen, dass ihr ganzes Leben eine einzige Vorbe- reitung sein muss auf das Hochzeitsmahl der Ewigkeit. 
*
An alle ergeht der Ruf Gottes durch seine Kirche. Wir alle werden immer wieder gerufen, vor die Entscheidung gestellt. Viele sind berufen, wenige aber auserwhlt, sagt Christus am Ende, um das Gleichnis auf den Punkt zu bringen. Das ist ein ehernes Wort. Unser Leben ist der Ernstfall schlechthin, unser ganzes Leben. Vergessen wir nicht, wer der ist, der uns einldt durch seine Kirche und was wir ihm schulden! Sorgen wir dafr, dass wir der vierten Gruppe angehren! Um alles zu gewinnen, mssen wir alles einsetzen. Amen.

ANSPRACHE ZUM THEMA ROSENKRANZ, GEHALTEN IN EINER ROSENKRANZANDACHT 
IN FREIBURG, ST. MARTIN, AM 2. OKTOBER 2005 
Irgendwo las ich dieser Tage, jemand habe festgestellt: Vor dem Zweiten Vaticanum bete- ten die Katholiken den Rosenkranz, statt die Bibel zu lesen. Nach dem Konzil beteten sie auch den Rosenkranz nicht mehr. Das ist ein wenig zynisch, und faktisch trifft das nicht die ganze Wirklichkeit. Gewiss gibt es heute viele Katholiken oder besser: ehemalige Katho- liken, die weder an der Bibel noch am Rosenkranz interessiert sind, und manch einer, der frher den Rosenkranz gebetet hat, hat es  in einer religis neutralen oder religis feind- se- ligen Welt aufgegeben, ihn zu beten, oder - auch das ist mglich - er hat es aufgegeben, ihn zu beten, weil er meinte, das Gebet entspreche nicht dem Geist des Konzils, aber es gibt auch nicht wenige Christen, selbst in den Gemeinschaften der Reformation, die den Rosen- kranz neu entdeckt und durch ihn ein neues Verhltnis zum Gebet gefunden haben. Manche Katholiken sind heute durch das Rosenkranzgebet wieder in die Mitte der Kirche hineinge- fhrt worden. In der Tat, der Rosenkranz kann so etwas sein wie eine Schule des Gebetes und eine Hinfhrung zur Kirche. Das lehrt uns ganz einfach die Erfahrung.
*
Der Rosenkranz, ber den wir uns heute Abend Gedanken machen wollen, bevor wir ihn be- ten, steht fr das Ureigene des Katholischen und erhlt von daher gerade auch im Zeitalter der kumene eine neue Bedeutung. Der Rosenkranz unterstreicht den Primat des Gebetes, das viele verlernt haben in unserer Welt, er betont das Geheimnis der Erlsung und des Erl- sers, das heute mehr und mehr zu verblassen droht, und er erinnert uns an die zentrale Be- deutung der Mutter des Erlsers und der Marienverehrung, die in einer weithin skularisier- ten Kirche oft nur noch ein Schattendasein fhrt. 
Man hat den Rosenkranz eine Summe des Evangeliums genannt, eine Summe des katholi- schen Glaubens, die zusammengefgt wird durch die Gestalt der Gottesmutter und durch das Geheimnis ihrer Berufung (vgl. Joachim Kardinal Meiner, Sein, wie Gott uns gemeint hat. Von Maria lernen, Kevelaer 2005, 92).
Der Konvertit Kardinal Newman (+ 1890), eine der grten Gestalten des 19. Jahrhunderts, erklrt im Blick auf den Rosenkranz: Es gibt nichts Schneres als die Betrachtung der My- sterien der Menschwerdung Gottes unter der Anrufung derer, die ihr menschliches Werkzeug war (John Henry Newman, Letters and Diaries, Bd. XII, Oxford 1961, 217). Newman hat ihn lieben gelernt, den heiligen Rosenkranz, nachdem  er nach langen inneren Kmpfen eine Heimat gefunden hatte in der Kirche der Vter, wie er die rmische Kirche nannte. Damals hatte er die Mitte des Lebens schon berschritten.
Im Rosenkranzgebet denken wir nach, meditieren wir ber das zentrale Glaubensgeheim- nis des Christentums, ber die Erlsung, und  schauen dabei den Erlser und seine heilige Mutter an. Whrenddessen beten wir fnfmal das Vaterunser und fnfzigmal das Ave Maria, wenn wir einmal absehen von dem Glaubensbekenntnis und von dem Gebet um die drei gttlichen Tugenden, wodurch wir gleichsam hineingefhrt werden in den wunderbaren Garten dieses Gebetes. Whrend wir fnfmal das Vaterunser beten und fnfzigmal das Ave Maria begleiten wir den Erlser auf seinen Wegen in der Geschichte des Heiles und lassen dabei die Perlen des Rosenkranzes durch unsere Hnde gleiten und schauen sie an wie kstliche Rosen (vgl. Joachim Kardinal Meiner, Sein, wie Gott uns gemeint hat. Von Maria lernen, Kevelaer 2005, 93 f).
In den freudenreichen Geheimnissen betrachten wir die Menschwerdung des ewigen Soh- nes Gottes, in den lichtvollen sein ffentliches Wirken, in den schmerzhaften sein Leiden und Sterben, in den glorreichen seine Auferstehung und seine Verherrlichung und in den endzeitlichen seine Wiederkunft am Ende dieser unserer Welt und Zeit.
Wenn wir den Rosenkranz beten, verbinden wir das mndliche Gebet mit dem betrachten- den. Deshalb verlangt der Rosenkranz nicht, dass wir bei jedem Ave Maria ganz dabei sind. Das mndliche Gebet ist hier wie die Melodie, die im Lied den Text verdeutlicht und ihn uns gefhlsmig nahe bringt, ohne dass wir dabei die einzelnen Tne beachten.  
Bei Rosenkranzbeten entsteht in uns so etwas wie ein betendes Unterbewusstsein, das hier gerade im Zeichen der Wiederholung des immer Gleichen zu einem besonderen Zeichen der Liebe wird. 
Das Rosenkranzgebet lehrt uns, still zu werden vor Gott. Und es macht uns Christus hnlich durch Maria. Im Rosenkranzgebet verehren wir Christus, zugleich aber seine heilige Mutter, somit gilt unsere Verehrung in ihm den zentralen Gestalten der Geschichte des Heiles.
Als ein spezifischer Ausdruck des katholischen Betens ist der Rosenkranz das beste Gebet- buch, von der Praxis und auch von der Theorie her. Als solches hat er sich bewhrt, mehr als alle anderen Gebetbcher, wenn wir einmal absehen von dem Buch der Psalmen im Alten Testament. Nicht zu Unrecht nennen wir den Rosenkranz den katholischen Psalter. 
Der Name dieses Gebetes leitet sich her von der zentralen Gestalt dieses Gebetes, von Ma- ria. Maria wird schon im christlichen Altertum als die geheimnisvolle Rose verehrt. Wenn wir vom Rosenkranz sprechen, wollen wir damit sagen, dass wir in ihm und durch ihn Maria, die geheimnisvolle Rose, ehren. Dabei knnen wir jedes Ave Maria wie eine Rose verstehen, die wir der Mutter des Erlsers mit groer Ehrfurcht berreichen. 
Wenn wir den Rosenkranz beten, halten wir uns vor Augen, sollten wir uns vor Augen hal- ten, dass Maria wie ein Spiegel ist, in dem uns die Menschwerdung Gottes und die Gnade der Erlsung und somit der Reichtum der Liebe Gottes gezeigt wird. Durch ihren gttlichen Sohn ist sie uns zum Urbild der Demut, Milde, Tapferkeit, Reinheit, Geduld und Liebe ge- worden, so sagt es der soeben zitierte Kardinal Newman (John Henry Newman, Betrachtun- gen und Gebete, Mnchen 31952, 321). In diesem Zusammenhang stellt er liebevoll fest: Wer kann ihren Namen aussprechen, ohne darin eine Melodie zu vernehmen, die zu Her- zen geht und Gedanken an Gott, an Jesus Christus und den Himmel in ihm erweckt und ihn mit dem Verlangen nach den Gnaden erfllt, die zum ewigen Leben fhren (John Henry Newman, Betrachtungen und Gebete, Mnchen 31952, 321).
Im Alten Testament lesen wir im Buch der Sprche: Wer mich findet, findet das Leben und schpft Heil vom Herrn (Spr 8, 35). Damit ist zunchst, dem Wortsinn nach, die Weisheit gemeint, deren Loblied das Alte Testament zu singen nicht mde wird, jenes Wissen, das uns lehrt, worauf es letztlich ankommt in unserem Leben. Im Neuen Testament wenden wir dieses Wort auf Christus an, den menschgewordenen Sohn des ewigen Vaters, denn er ist die Weisheit im Vollsinn, wohnt doch in ihm die Flle der Gottheit mit all ihrer unendlichen Heiligkeit. Schon im Alten Testament wird die Weisheit personifiziert. Die Berufung Mariens aber ist es nun, dank der Gnade Gottes die Heiligkeit Christi widerzustrahlen, soweit ein Geschpf dazu imstande ist (vgl. John Henry Newman, Betrachtungen und Gebete, Mnchen 31952, 321).
Schon die Kirchenvter dachten in alter Zeit, wenn in der Heiligen Schrift von der Weisheit die Rede war, an Maria, weil sie so nahe bei Christus steht und weil sie der Weg zu Christus ist fr uns. Deshalb nannten sie sie gern den Sitz der Weisheit oder einfach die Weisheit Gottes in Analogie zu ihrem gttlichen Sohn.
Wenn wir im 1. Korintherbrief lesen, Christus ist fr uns von Gott her zur Weisheit, zur Rechtfertigung, Heiligung und Erlsung geworden (1 Kor 1, 30), so gilt das auch fr Maria, wenn auch in einem abgeschwchten Sinne. Wenn es von Christus heit wer mich findet, der findet das Leben und schpft Heil vom Herrn (Spr 8, 35), so gilt das auch fr Maria, fr sie freilich sekundr. Solche Gedanken begegnen uns immer wieder in der Liturgie an den Festtagen der Gottesmutter. 
Papst Leo XIII. (+ 1903) schreibt im Jahre 1895 (vgl. die Enzyklika Adiutricem populi vom 3. September 1895): Sooft wir den heiligen Rosenkranz richtig beten, erneuern wir die Erinne- rung an das wunderbare Werk unseres Heiles, so dass wir gleichsam als Augenzeugen die Entwicklung jener Reihe von Begebenheiten und Wirkungen schauen, durch die Maria zugleich Mutter Gottes und unsere Mutter geworden ist. Der gleiche Papst ist es gewesen, der den Oktober zum Rosenkranzmonat gemacht und sich an alle Christen gewandt hat mit der Bitte, ffentlich oder privat und in der Familie das fromme Rosenkranzgebet  eifrig zu verrichten und als stndige Gewohnheit einzufhren (vgl. die Enzyklika Octobri mense vom 22. September 1891).
Wenn wir die Geschichte betrachten, so hat die katholische Welt sich stets in kritischen Situ- ationen und in Zeiten uerster Not auf den Rosenkranz besonnen, seit dem Mittelalter, da die Predigerbrder, die Shne des heiligen Dominikus, das Rosenkranzgebet propagiert  haben. Heute sollten wir ihn beten, den Rosenkranz, in dem existentiellen Anliegen der Kirche und der Welt allgemein, wir sollten ihn dafr beten, dass die Glaubenslosigkeit und die Sittenlosigkeit uns nicht berrollen und unsere Zukunft zerstren, wir sollten ihn beten fr die Mission, fr die Ausbreitung des Glaubens, fr die Diaspora, fr der Erhaltung des Glaubens in der Zerstreuung und in der Vereinzelung, fr das Gottesgeschenk guter Priester- und Ordensberufe und fr den bedrohten Frieden in der Welt. Wir sollten ihn aber auch beten, den Rosenkranz, in unseren persnlichen Anliegen, in den manchmal qulenden  Sorgen des Alltags und in den ngsten, die unseren Lebensweg so oft verdunkeln. Gerade in ausweglosen Situationen hat der Rosenkranz die Menschen immer wieder die Hilfe Gottes in auergewhnlicher Weise erfahren lassen.
Der fromme Komponist Joseph Hayden (+ 1787) betete fast tglich den Rosenkranz. Oft ge- stand er, dass dieses Gebet ihm immer wieder Anregung zu seinem knstlerischen Schaf- fen gegeben habe, nach dem Rosenkranzgebet seien ihm immer wieder die schnsten Me- lodien reich und beglckend zugestrmt. Der gottbegnade Maler Michelangelo (+ 1564), der die Sixtinische Kapelle in Rom ausgemalt hat, hat auf seinem Jngsten Gericht zwei Auf- erstehende dargestellt, die sich an der Kette des Rosenkranzes zu den Seligen des Himmels hinaufschwingen. Michelangelo besa einen Rosenkranz, und er betete ihn auch. In Florenz kann man ihn heute noch in einem Museum anschauen, den Rosenkranz des gottbegna- deten Knstlers.
*
Im Rosenkranz gehen wir den Weg zu Christus an der Hand Mariens. Der Rosenkranz ist der marianische Weg zu Christus. Das ist der sicherste Weg. Das Gebet des Rosenkranzes macht uns Christus hnlich durch Maria. In ihm betrachten wir die Erlsung und den Erlser und seine Mutter, unsere himmlische Mutter, und werden dadurch hineingenommen in das Erl- sungsgeschehen. Dabei gibt keinen wirksameren Weg, auf dem wir die Not der Welt und der Kirche und die Not unseres persnlichen Lebens vor das Antlitz Christi und vor den geheim- nisvollen dreifaltigen Gott tragen knnen als eben diesen. Amen.

PREDIGT ZUM 27. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 2. OKTOBER 2005  
IN FREIBURG, ST. MARTIN
 WAS WIRD DER WEINBERGBESITZER MIT DEN BSEN 
WINZERN MACHEN?
Wenn Jesus das Gleichnis von den bsen Winzern erzhlt, so denkt er dabei zuerst an das Volk Israel. Gott hatte sich immer wieder um dieses Volk bemht, es hatte sich ihm aber stets widersetzt. Immer wieder hatte Gott die Ablehnung des Volkes erfahren. Die Propheten des Alten Bundes hatten es schwer, sie wurden verfolgt und teilweise gettet. Man knnte die Geschichte Israels als fortwhrende Flucht vor Gott verstehen. Die Zurckweisung Gottes und die Missachtung seiner Rechte hat ihren Hhepunkt erreicht in Israel in der weithin ver- geblichen Predigt Jesu und in seinem Tod am Kreuz. Der Evangelist Johannes drckt das so aus: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf (Joh 1, 11).  
Im Jahre 70 nach Christus traf dieses Volk ein furchtbares Geschick in der Zerstrung der Heiligen Stadt, die es selber so oft entheiligt hatte in den Jahrhunderten zuvor. Flavius Jo- sephus (+ wenige Jahre nach 100 n. Chr.), ein gelehrter Jude, ein jdischer Geschichts- schreiber, der damals zu den Rmern bergelaufen war, schildert uns die schreckliche Not dieses Krieges, der faktisch das Ende der Geschichte des jdischen Volkes war, seiner Ge- schichte im Lande der Vter. Die Urgemeinde verstand dieses Ereignis als Folge der Ver- stockung eines Volkes, das der Liebe Gottes getrotzt hatte.
Das Gleichnis, das uns heute als Evangelium verkndet wird, gilt aber nicht nur Israel, dem jdischen Volk, es gilt uns allen. Auch wir verachten und verfolgen die Boten Gottes, jene, die es in Wahrheit sind - das sind jene, die sich und die Botschaft nicht der Welt angepasst haben, die die Botschaft so verknden, wie sie immer verkndet worden ist, die sie nicht willkrlich verndern, um anzukommen. Auch wir weisen Gott zurck, wir wollen nicht sei- ne Knechte sein, und wir wollen uns ihm nicht unterwerfen. Allzu oft sind wir bemht, Gott die Welt zu entreien, statt dass wir uns in seinen Dienst stellen und ihm die schuldige Ehre erweisen.
Schon vor mehr als 100 Jahren hat man im Ernst die Parole verbreitet: Gott muss sterben, damit der Mensch leben kann. Diese berzeugung teilen noch heute nicht wenige Men- schen, ausdrcklich oder unbewusst, mehr oder weniger. Es gibt nur einen Gott fr den Men- schen, nmlich den Mitmenschen, das ist die offizielle Weltanschauung der Sozialisten mar- xistischer Prgung und aller, die dem Marxismus innerlich nahe stehen, und das sind nicht wenige. Von der Weltanschauung des Marxismus lsst sich ein groer Teil der Menschheit bestimmen, mehr als die Hlfte. Grotesk ist es allerdings, wie sich dieser Humanismus, diese Gottlosigkeit um des Menschen willen auswirkt. Aber davon soll hier nicht die Rede sein.
Wenn wir uns von Gott abwenden und den Menschen vergttlichen, wenn unsere Kirchen immer heute leerer werden, wenn die Bereitschaft, sich fr die Kirche und ihre Botschaft einzusetzen, mehr und mehr abnimmt, wenn Verweltlichung und  Diesseitigkeit mit wach- sender Intensitt unser Leben bestimmen, wenn wir immer mehr unsere berzeugungen und Lebensgewohnheiten von den widerchristlichen Mchten bernehmen, wenn wir uns in unserem Tun und Lassen nicht mehr an dem ewigen Gesetz Gottes ausrichten, so machen wir es nicht anders als die bsen Winzer im Gleichnis. Dann rufen wir aber das Gericht Got- tes auf uns herab, wie sie, die untreuen Winzer, es getan haben. Das liegt in der Natur der Sache. Das sehen wir bereits im Kleinen: Wenn sich der Mensch gegen die Natur stellt, so schlgt diese zurck. Der heilige Augustinus drckt das so aus: Du hast es so gefgt, o Gott, dass jeder ungeordnete Geist sich selbst zur Strafe wird (Die Bekenntnisse, Buch 1, Kap. 12).
Wir sind heute gewohnt, die Botschaft Jesu und damit die Botschaft der Kirche als Frohbot- schaft herauszustellen und dementsprechend im Gottesbild die barmherzige Liebe Gottes. Das ist richtig, aber das ist nur die eine Seite. Die Kehrseite ist die Gerechtigkeit Gottes. Wenn wir die Frohbotschaft zurckweisen, wird sie uns zum Gericht. Wie das aussehen knnte, das Gericht Gottes, das brauchen wir nicht auszumalen. Viele drohende Wolken ziehen heute am Himmel unserer Zeit auf. Das ist nicht zu bersehen.
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Da stellt sich die Frage: Was sollen wir tun?  Die Botschaft der Mutter Gottes von Fatima empfiehlt angesichts dieser gespannten Situation bereits vor beinahe 90 Jahren die Bekeh- rung, das heit: die hufige Beichte und Kommunion und das Gebet, vor allem das Rosen- kranzgebet. Im Alten Testament lesen wir: Wenn es in Sodoma und Gomorrha nur zehn Ge- rechte gegeben htte, Gott htte sich dieser Stadt erbarmt (Gen 18, 32). Das mag uns zur Hoffnung gereichen, aber auch zur Warnung dienen. 
Wir haben viele Mglichkeiten, uns zur entscheidenden Wahrheit des heutigen Evangeliums zu bekennen, zu der Wahrheit, dass Gott der Herr des Weinbergs ist. Aus ihnen mchte ich nur zwei herausgreifen: Das Bemhen um die Sonntagsheiligung und um die Tugend der Dankbarkeit.
Die Entheiligung des Sonntags prgt unsere Umwelt mehr und mehr. Das Fernbleiben von der heiligen Messe ist der letzte Schritt dieser unheilvollen Entwicklung. Das ist in der Regel auch das Ende des Gebetes.
Und die Undankbarkeit gegen Gott, sie zeigt sich darin, dass wir ber die Gaben den Geber vergessen, dass wir an den Fleischtpfen gyptens (Ex 16, 3) sitzen und nicht einmal mehr dem auch nur einen kurzen Gedanken widmen, dem wir das alles zu verdanken haben. So ist es jedenfalls oft. 
Wir begehen heute das Erntedankfest, fr viele ein Anachronismus. Nehmen wir es als An- lass zur Besinnung darauf, dass das Selbstverstndliche nicht selbstverstndlich ist. Die Schrift sagt: Was hast du, das du nicht empfangen httest, hast du es aber empfangen, was rhmst du dich, als httest du es nicht empfangen (1 Kor 4, 7), und: Jede gute Gabe und jedes gute Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter (Jak 1, 27).
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Das Gleichnis des heutigen Evangeliums erinnert uns daran, dass Gott uns straft, wenn wir uns gegen ihn stellen, wenn wir nicht auf ihn hren. Es ist sicherlich nicht besonders voll- kommen, wenn wir uns Gott zuwenden, nur weil Angst  haben vor der Strafe. Aber das Un- vollkommene kann vollkommen werden. Und immer ist es so, dass wir nach der Vollkom- menheit streben mssen. Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit heit es ver- schiedentlich im Alten Testament (Ps 110, 10; Spr 1, 7; 9, 10). 
Dass Gott uns straft, das ist eine jener Glaubenswahrheiten, die man heute vielfach aussor- tiert hat. Gott, wie er heute oft vertreten oder verkauft wird, ist ein Salon-Gott oder einfach eine Wunschprojektion des Menschen. Der wahre Gott, der Gott der Offenbarung, aber ist anders. 
Es ist der ganze Glaube, der uns geschenkt worden ist in der Offenbarung Gottes, er ist uns geschenkt worden, nicht wir haben ihn erfunden, und nur er, der ganze Glaube, rettet uns. Das gilt auch fr unser Gottesbild. Die Autoritt des Glaubens ruht nicht in seiner Plausibilitt oder gar in unserem Empfinden, sie ruht vielmehr in der Autoritt Gottes. Das Lehramt der Kirche spricht in seinen offiziellen Texten immer vom Gehorsam des Glaubens.
Die Bejahung der Autoritt Gottes, heute kann sie eine sinnfllige Gestalt gewinnen in der Heiligung des Sonntags, die die Grundlage ist fr ein Leben des Gebetes und der treuen Er- fllung der Gebote Gottes, und in der Bemhung um die Tugend der Dankbarkeit, in der wir wissen, dass wir Beschenkte sind, in allem. Amen.

PREDIGT ZUM 26. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 25. SEPTEMBER 2005 
                              IN FREIBURG, ST. MARTIN                                    
WENN DER BSE SICH ABWENDET VON SEINER BOSHEIT UND DAS RECHT UND DIE GERECHTIGKEIT BT, WIRD ER SEIN LEBEN RETTEN
Wir knnen Entscheidungen fllen, und wir knnen sie widerrufen. Das gilt im Guten wie im Bsen. Es gibt fr uns die Mglichkeit des Abfalls und der Bekehrung. Auf das letzte Wort kommt es an. Es kommt darauf an, dass wir die Bekehrung nicht widerrufen, dass wir in ihr ausharren bis ans Ende.
Der Erste der beiden Shne, von denen im Gleichnis des Evangeliums heute die Rede ist, sagt zuerst nein, spter ja, der Zweite sagt zuerst ja, dann aber nein. Das Ideal ist, dass wir sogleich ja sagen und dabei bleiben, aber wenn uns das schon nicht gelingt, dann sollen wir uns wenigstens zum Ja durchringen, umkehren und in den Weinberg gehen, wie es der zweite Sohn immerhin versprach und vielleicht auch vorhatte. Das ist der entscheidende Punkt des Gleichnisses, die Umkehr, die Beharrlichkeit und Treue in einem Leben fr Gott und fr die Ewigkeit, was die Vorbedingung ist fr das ewige Heil.
Gott ruft uns in seinen Dienst. Es gilt, dass wir uns dankbar von Gott in Dienst nehmen lassen und ausharren in diesem Dienst, beharrlich, bis zum Ende. 
*
In der Snde bewegen wir uns von Gott fort, verlassen wir den Weinberg, um im Bilde zu bleiben. So geschieht es oft, einschlussweise oder ausdrcklich: Wir wollen unabhngig sein und selber bestimmen, was wir denken und tun. Wir wollen fr uns selber leben und uns von keinem etwas sagen lassen, wir wollen uns von unseren Trieben, Begierden und Wnschen leiten lassen, wir wollen es uns bequem machen, wir wollen unser Glck suchen, unser Glck, wie wir es uns vorstellen. Daher fliehen wir in die Welt mit ihren Zerstreuungen oder binden uns an Menschen, die es nicht gut mit uns meinen, oder wir schlieen uns vllig ab von der Welt und kmmern uns um nichts und um niemanden mehr. Da verlassen wir den Weinberg Gottes, in den wir zunchst gegangen, aber nicht geblieben sind. Ja, das ge- schieht immer wieder, nicht immer ausgesprochen und direkt, aber es geschieht immer wie- der, faktisch. 
Darum bedrfen wir immer wieder der Umkehr, der Bekehrung. Darum mssen wir immer wieder aus unserem Nein ein Ja machen, den Rckzug antreten, reumtig heimkehren zu Gott, umkehren und uns bekehren. 
Das ist zuweilen schwer, nmlich dann, wenn wir lange Zeit hindurch in die falsche Rich- tung gegangen sind, wenn wir uns tief verstrickt haben in die Snde, wenn wir uns gar ver- hrtet haben im Bsen. So manches Mal geschieht es, dass wir uns im Bsen verhrten, ohne es eigentlich recht zur Kenntnis zu nehmen.  
Dann bedrfen wir der Demut, auf dass wir uns bekehren knnen. Unser Element ist inde- ssen der Stolz, er ist uns tief eingeschrieben in unsere Seele. Und allzu oft verblendet er un- seren Geist und allzu oft schwcht er unseren Willen. 
Dass wir wieder in den Weinberg Gottes gehen, ohne Murren, dazu bedrfen wir vor allem der Demut. Jede Snde ist ja vom Stolz bestimmt. So gibt es keine Umkehr, keine Abkehr von der Snde und keine neue Hinkehr zu Gott, wenn nicht in der demtigen Selbstbe- scheidung, in der wir von dem hohen Pferd, auf dem wir sitzen, heruntersteigen. 
Die Bekehrung ist schwer, weil die Demut weh tut und weil der Stolz uns schmeichelt. Des- halb ist es gut, die Bekehrung immer wieder einzuben, die Umkehr immer neu zu voll- ziehen, nicht nur in unserem stillen Kmmerlein, in unserer persnlichen Begegnung mit Gott, sondern auch mit dem Bekenntnis der Schuld im Busakrament. 
Im Evangelium werden die Zllner und  Dirnen, diejenigen, die mit dem Makel behaftet sind, ffentliche Snder zu sein, den Pharisern, die allgemein als die Frommen galten gegen- bergestellt. Die Phariser galten nicht nur als fromm, in gewisser Weise waren sie es auch. Aber sie waren nicht nur fromm, sie waren auch einflussreich. Deshalb war es schon ein khnes Unternehmen, wenn Jesus sie in dieser Weise der Kritik unterzog, und das noch in aller ffentlichkeit. Er tut das, weil er souvern ist und weil es ihm um die Wahrheit geht. Wir wissen, dass er seine Liebe zur Wahrheit mit dem Tod am Kreuz bezahlt hat. 
Wenn Jesus nun die Phariser im Vergleich mit den ffentlichen Sndern, den Zllnern und Dirnen, als die Schlechteren anprangert, so tut er das nicht, weil er etwa deren Frmmigkeit verachtete oder weil er meinen wrde, die Vergehen der Zllner und Dirnen seien doch nicht so schlimm. So wrden die verweltlichten Christen heute denken, viele von denen, die etabliert sind in der Kirche, aber so denkt Jesus nicht. 
Er wei, dass beide Gruppierungen, die Zllner und Dirnen auf der einen Seite und die Pha- riser auf der anderen Seite, fern sind von Gott, wenngleich die Art ihrer Snden sehr ver- schieden ist. Die einen sndigten durch Habgier und Wollust und unsittlichen Lebenswandel, die anderen aber durch Selbstgerechtigkeit. Ob sie nun so oder so sndigten, beide Grup- pen schlugen Gott fortwhrend gleichsam ins Angesicht und zerstrten durch ihren Lebens- wandel das Bild des Menschen, wie Gott es gedacht hatte. Die Schuld der einen war grber, die Schuld der anderen subtiler. Die einen sndigten mehr durch ihre Taten, die anderen mehr durch ihre Gesinnung. 
Die Kritik Jesu an den Pharisern ist keine Entschuldigung fr die ffentlichen Snder in Is- rael. Er kritisiert nicht die Frmmigkeit der Phariser als solche, wohl aber die veruer- lichte Frmmigkeit dieser Mnner, jene Frmmigkeit, die der Selbstdarstellung dient, die mit der Selbstgerechtigkeit einhergeht und nicht zur Umkehr bereit ist. 
Die Phariser bedrfen der Umkehr, aber auch die Zllner und Dirnen. Da nun meint Jesus, dass die Exponenten der Snder in Israel den Weg der Bekehrung leichter gehen knnen als die Phariser, weil sie nicht auf einem so hohen Pferd sitzen wie diese. Und wenn sie sich bekehren, dann sind sie die Heiligen der letzten Stunde, jene, die zuerst nein sagen, dann aber doch ja sagen, whrend die Phariser zuerst ja gesagt haben und sich dann doch wieder abgewandt haben, nicht durch spektakulre bse Taten, sondern durch ihre falsche Gesinnung, durch ihre Selbstgerechtigkeit, die eine ganz besondere Variante des Stolzes ist, eine Variante, deren besondere Aktualitt nicht zu bestreiten ist. 
Die Bekehrung, darauf kommt es an, ob wir nun zu den Heiligen der letzten Stunde gehren oder der ersten. Damit knnen wir wieder einen Gedanken aufnehmen, der einen zentralen Ort bereits am vergangenen Sonntag in der Homilie eingenommen hat.
Und es kommt auf die Gesinnung der Bue an. In der Bue findet die Demut ihre entschei- dende Gestalt. Sie, die Demut, mssen wir einben und pflegen. Das geht am besten, wenn sie sich immer wieder verleiblicht im Bekenntnis, im sakramentalen Bekenntnis des Busa- kramentes. 
Unser ganzes Leben muss vom Geist der Bue bestimmt sein. Die Bue ist die entscheiden- de Gestalt der Demut. Immer wieder mssen wir zurckkehren zu Gott, der uns in seinen Weinberg ruft, jeden Tag aufs Neue, weil, dank unserer Schwche, unser Ja immer wieder zu einem Nein wird, allzu leicht geschieht das. 
*
Das Evangelium des heutigen Sonntags konfrontiert uns wiederum mit einem Gleichnis Je- su, wie schon am vergangenen Sonntag. Ihm folgt eine Mahnrede Jesu an die Phariser, die natrlich auch uns gilt. In dem Gleichnis geht es um den demtigen Dienst des Menschen vor Gott, um unseren demtigen Dienst vor Gott durch unsere alltglichen Aufgaben hin- durch. Es geht darin um unseren demtigen Dienst vor Gott und um unsere immer neue Um- kehr, wenn wir uns dem Dienst im Weinberg Gottes entzogen haben. Es geht um die Demut, um den Geist der Bue, um die Bekehrung, um die Beharrlichkeit und Treue in einem Leben fr Gott und fr die Ewigkeit. Gott ruft uns in seinen Dienst. Wir sollen uns dankbar von ihm in Dienst nehmen lassen und darin ausharren, beharrlich, bis zum letzten Atemzug. Amen.

PREDIGT ZUM 25. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 18. SEPTEMBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
SO WERDEN DIE LETZTEN DIE ERSTEN SEIN, UND DIE ERSTEN 
WERDEN DIE LETZTEN SEIN
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das Evangelium des heutigen Sonntags, geht uns nicht leicht in den Kopf. Es widerspricht nmlich ganz und gar unserem natrlichen Gerechtigkeitsempfinden. Wir verstehen daher allzu gut die Position derjenigen, die zwar ihren gerechten Lohn oder besser: ihren vereinbarten Lohn erhalten haben, aber nicht zu- frieden sind, weil einige ihrer Arbeitskollegen mehr bekommen haben, als ihnen zusteht. 
Das Gleichnis will uns klar machen, dass Gott nicht nur gerecht ist, sondern dass er auch barmherzig ist. Und - seine Barmherzigkeit bertrifft manchmal seine Gerechtigkeit, dann, wenn er einigen ber Gebhr gibt, wenn er ihnen mehr gibt, als sie sich erarbeitet haben. Weshalb Gott einigen ber Gebhr gibt, darber ist er uns keine Rechenschaft schuldig. Gott vergilt uns nach unseren Werken, das steht fest, aber manchmal tut er mehr als das, zum einen, weil er die Liebe in Person ist, weil die Barmherzigkeit ihn zutiefst bestimmt, zum anderen, um uns klar zu machen, dass er souvern ist, dass er grer ist als unser klein- liches Rechnen und dass wir letzten Endes keinerlei Ansprche ihm gegenber anmelden knnen. Gottes Barmherzigkeit darf uns jedoch nicht dazu verleiten, dass wir die Hnde in den Scho legen oder dass wir uns vor Gott verstecken bis es fnf vor zwlf geworden ist oder dass wir etwa allein auf den Glauben vertrauen, wie es die evangelischen Christen sagen, offiziell jedenfalls. Auf die Barmherzigkeit Gottes knnen wir nicht rechnen, wohl aber auf seine Gerechtigkeit, die allerdings letzten Endes auch immer ungeschuldet ist. 
Gott lsst sich nicht von unserer Schlauheit berlisten. Menschen knnen wir berlisten, Gott aber nicht. Wer mit mglichst wenig Anstrengung bei Gott mglichst viel herausholen will, fr den wird es einmal ein bitteres Erwachen geben. 
Wenn wir bedenken, was Gott denen, die ihn lieben, die seinen Willen erfllen und fr ihn und sein Reich arbeiten, gibt, nmlich den Himmel, und wenn wir uns ferner klar machen, was das ist, der Himmel und die ewige Seligkeit, so werden wir einsehen, dass dieser Lohn letztlich jedes menschliche Bemhen berragt. Aber dennoch ist es nicht berflssig. 
Paulus sagt: Was hast du, das du nicht empfangen hast, und wenn du es empfangen hast, was rhmst du dich dessen, als httest du es nicht empfangen (1 Kor 4, 7)? Also alles ist Gnade. Auch unser Bemhen, die Last und die Hitze des Tages zu tragen. 
Wir wrden das Gleichnis grndlich missverstehen, wenn wir daraus die Lehre ziehen wr- den, dass wir warten und uns auch erst in der letzten Stunde dingen lassen knnten. Gott ruft uns heute in seinen Weinberg, das heit: in die Erfllung seines heiligen Willens und in sein Apostolat: Gott ruft uns, dass wir seinen Willen erfllen und an seinem Reich bauen. Kommen wir nicht heute, so knnte er uns morgen schon zurckweisen. Der Ruf hier und jetzt kann fr uns schon der letzte sein. Wir mssen unser Heil mit Furcht und Zittern wirken (Phil 2, 12). Es gilt, dass wir freudig des Tages Hitze und seine Mhen tragen, dankbar, dass Gott uns berhaupt gewrdigt hat, fr ihn zu arbeiten. Wenn dann einige erst spt in Dienst genommen werden und den gleichen Lohn erhalten, wenn der rechte Schcher bei der Kreuzigung Jesu im Angesicht des Todes die Vergebung erhlt (Lk 23, 42 f), gleichsam in der letzten Minute noch in den Weinberg Gottes gerufen wird, so drfen wir nicht neidisch sein, so mssen wir vielmehr Gott preisen wegen seiner grenzenlosen Gte.
Ein Weiteres sagt uns dieses Gleichnis: Wir drfen auch Hoffnung haben fr die, die abseits stehen. Damit erweist das Gleichnis in besonderer Weise das heilige Evangelium als eine Frohe Botschaft: Gott kann unter Umstnden ein verpfuschtes Leben in einem einzigen Augenblick korrigieren. Das kann er, er tut es aber nicht immer. Und wann und wo er es tut, das entzieht sich unserer Erkenntnis, grundstzlich. 
Wir alle haben Menschen, die uns nahe stehen, die aber nicht im Weinberg Gottes arbeiten wollen, die unter Umstnden gar diesen Weinberg zerstren und Unkraut darin sen:  Beten wir und shnen wir fr sie, dass Gott sie wenigstens fnf vor zwlf noch ruft und ihnen Barm- herzigkeit erweist, dass sie zur Einsicht kommen.
Und noch eines sagt uns das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg: Wer sich nicht rufen lsst, erhlt auch keinen Lohn. Nur wer gearbeitet hat im Weinberg Gottes, wird belohnt, und wenn es auch nur Minuten gewesen sind. Das heit: Ohne die Bekehrung gibt es kein Heil. Das vergessen wir oft. Gottes Barmherzigkeit wrde missverstanden, wenn wir in sie auch jene einbeziehen wrden, die nicht gearbeitet haben bis zum letzten Augenblick. Der Besitzer des Weinbergs trgt sein Geld nicht auf den Marktplatz. Der linke Schcher erfhrt die Barmherzigkeit Gottes nicht, deshalb, weil er in der Passivitt oder in der Ablehnung verharrt. Er lsst sich nicht rufen. Darum findet keine Gnade (Lk 23, 39 - 43). Gott drngt sich denen nicht auf, die ihn nicht wollen. Das ist auch gar nicht mglich, weil das innerlich widersprchlich ist. Deshalb beten wir, wenn wir es richtig machen, um die Bekehrung der Snder und derer, die sich um Gott nicht kmmern, nicht darum, dass Gott sie in ihrer Verhrtung und in ihrer Verstockung oder trotz ihrer Abwendung von ihm annimmt.
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Im ersten Johannesbrief heit es: Gott ist grer als unser Herz (1 Joh 3, 20 f). Das ist  gewissermaen ein Kommentar zu diesem Gleichnis, zu dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, speziell im Hinblick auf Gottes Barmherzigkeit und auf unsere unglubigen Verwandten und auf jene Menschen, die uns nahe stehen, aber trge oder gar vllig ableh- nend sind in der Erfllung ihrer religisen Pflichten. Gottes Barmherzigkeit und die Gna- denhaftigkeit unserer Berufung drfen von uns jedoch nicht als ein Freibrief angesehen wer- den, dass wir die Hnde in den Scho legen und uns an den Schwierigkeiten der Erfllung des Willens Gottes und des Apostolates, des Einsatzes fr Christus und seine Kirche, vorbei- drcken, wohl aber drfen sie uns ein Trost sein in unserem eigenen Versagen und im Ver- sagen derer, die uns nahe stehen. Gott ruft zuweilen noch sehr spt in seinen Weinberg, aber ohne die Annahme dieses Rufes, ohne die Bekehrung, gibt es kein Heil. Den Lohn er- halten nur die, die gearbeitet haben im Weinberg, unabhngig davon, wie lange sie gear- beitet haben. Amen.

PREDIGT ZUM 24. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 11. SEPTEMBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
DREI MARIENFESTE IM SEPTEMBER
Im diesen Tagen begehen wir drei Marienfeste: Mariae Geburt begingen wir am vergange- nen Donnerstag, morgen begehen wir das Namensfest Mariens und am kommenden Don- nerstag das Fest der Schmerzen Mariens. Das ist Grund genug, dass wir heute morgen un- seren Blick auf Maria lenken, auf die Jungfrau Maria, die in der persnlichen Frmmigkeit vieler Katholiken und manchmal auch in der ffentlichen Verehrung der Kirche in den letz- ten Jahrzehnten teilweise nur noch wenig Beachtung findet. Der verstorbene Heilige Vater Papst Johannes Paul II. hat immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Erneuerung der Kirche nicht ohne eine neue Hinwendung zu Maria, der Mutter Jesu und der Mutter der Kirche, mglich ist. In der geistigen Not der Gegenwart sollten wir mehr darauf unser Bem- hen richten, auf eine neue Hinwendung zur Maria, in unserem persnlichen Leben und im Leben der Kirche.
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Das Geburtsfest Mariens erinnert uns daran, dass Maria die Morgenrte des Heiles ist. Wie die Morgenrte den neuen Tag ankndigt, den Aufgang der Sonne, so kndigt Maria die An- kunft des Erlsers an, den neuen Tag der Ewigkeit, der keinen Abend kennt. Deshalb knnen wir sagen, dass schon mit der Geburt Mariens das groe Drama der Erlsung beginnt. Maria hat uns Christus, den Erlser, gebracht. Was aber einmal gewesen ist, das bleibt in der Ge- schichte des Heiles: Immer neu bringt Maria Christus, den Gottmenschen, zu den Menschen. Bis zum Jngsten Tag geht sie dem Erlser voraus wie die Morgenrte der aufgehenden Sonne vorausgeht, denn immer neu kommt er in die Welt, zu den Menschen. Immer neu muss er zu uns kommen, weil seine Erlsung immer neu wirksam werden muss in der Menschheit. 
Viele haben heute das Christentum und die Kirche hinter sich gelassen, schon lange, sie fin- den keinen Zugang mehr zu Christus und zu seiner Kirche. Das hat viele Grnde, sicherlich auch manche entschuldigende, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Nur das eine sei gesagt: Der Zugang zu Christus und seiner Kirche ist leicht, wenn man auf Maria schaut. Wrden sich die vielen, die ohne Christentum und ohne Glauben in der Welt umherirren, Maria zuwenden, der Jungfrau und Mutter, sie wrde sie bald zu ihrem Sohn fhren und zu seiner Kirche, dem fortlebenden Christus. 
Viele suchen die Mutter. In der Welt gibt es immer weniger Mtter, die diesen Namen ver- dienen. In Maria haben wir eine himmlische Mutter, eine Mutter, die die Dimensionen von Raum und Zeit sprengt und die einem jeden eine Mutter sein kann, so, als ob es nur ihn allein gbe. Das Gleiche knnen wir von der Jungfrau sagen.   
Die Mutter aber fhrt uns zu ihrem Sohn. Es gibt keinen sichereren Weg zu Christus und zu seiner Kirche und damit zu Gott, als die Verehrung Mariens. Maria fhrt uns zu Christus! Aber nicht genug damit: Ihrem Beispiel folgend, sollen wir - wir alle - die Menschen zu Chri- stus und zu seiner Kirche fhren, die nur eine ist, damit sie in ihr das wahre Leben finden. Wir sollen unseren Zeitgenossen bewusst machen, wie tricht sie sind, wenn sie sich blen- den lassen durch den trgerischen Glanz eines neuheidnischen Wohlstands- und Genuss- denkens und wenn sie sich einreden lassen, dass es klger ist und vernnftiger, sich selber einen Reim auf die Welt und das menschliche Leben zu machen oder die letzten Fragen zu verdrngen oder einfach im Raum stehen zu lassen als der christlichen Wahrheit zu folgen, wie sie die Kirche in zwei Jahrtausenden geglaubt und verkndet hat. 
Wir sollen sie zu Maria und mit  ihr zu Christus fhren, denn sie ist der Weg zu ihm. In einem alten Marienhymnus heit es: Bereite du uns den sicheren Weg, damit wir einst Christus se- hen knnen in ewiger Freude  - iter para tutum ut videntes Jesum semper collaetemur. Wie Christus der Weg zum Vater ist, so ist Maria der Weg zu Christus.
Daran erinnert uns das Fest des Geburt Mariens, das Namensfest Mariens aber weist uns dar- auf hin, dass Maria unsere Kraft ist, durch ihre mchtige Frsprache. Etymologisch bedeutet Maria die Herrin oder die Herrscherin: Sie ist die Herrin, die Herrscherin, sie ist mchtig durch ihre Frsprache. Sie steht an der Seite Jesu. Zwei Namen sind daher unsere Hoffnung. Der Name Jesu und der Name Mariens. Um sie muss sich unser Leben drehen. Sie sind der Brennpunkt unseres Glaubens und unseres Vertrauens. Alle Waffen der Menschen sind stumpf und unwirksam, nichts kann uns mehr Schaden zufgen, wo wir mit Maria verbunden sind und wo Maria sich fr uns und mit uns ihrem gttlichen Sohn zuwendet. Wenn wir bei Maria sind, so sind wir bei Jesus. In dem seligen Namen Mariens steht uns das Herz des ewigen Gottes offen. Und was wollen wir mehr?
Das Fest der Schmerzen Mariens erinnert uns endlich daran, dass der Weg zur Auferstehung durch die Nacht von Golgotha fhrt. Es erinnert uns daran, dass, wer die Prfung des Lebens bestehen will, sich nicht davor frchten darf, mit Christus das Kreuz tragen zu mssen und mit Maria unter seinem Kreuz stehen zu drfen. Alte christliche Volksweisheit drckt das so aus: Nur auf dem Pfad der Nacht erreicht man die Morgenrte.
Leid und Enttuschung, Verfolgung und Verkennung und Einsamkeit und Schmerzen zu tra- gen, das ist leicht in der Gemeinschaft mit Maria. In den beinahe zwei Jahrtausenden der Geschichte der Kirche war die Schmerzensmutter der ruhende Pol fr die Menschen in Not und Bedrngnis. Sie verkndet uns die Botschaft von der Verwandlung aller Leiden, die in der Gemeinschaft mit dem leidenden Erlser getragen werden.
Wenn wir den Kreuzweg gehen mssen mit Jesus, so mssen wir wissen: Maria geht mit uns. Wie sollten wir uns frchten, wenn die himmlische Mutter, die reinste Jungfrau, uns be- gleitet? Dann kann die Dunkelheit noch so dunkel werden, sie kann uns nicht ngstigen und nicht verwirren. 
*
Die Morgenrte des Heiles, die uns immerfort zu Christus fhrt, die mchtige Frsprecherin und die Schmerzensmutter, die unter dem Kreuz Christi steht, sie ist zugleich ein  Bild fr den neuen, den erlsten Menschen. 
Unsere Zeit hat wenig Gespr fr die Wrde des Menschen. Im Gegenteil: Sie ist eifrig be- mht, auch den Rest seiner Wrde noch zu zerstren. Vordergrndig geht es dabei um die Zerstrung der Wrde der Frau. Das ist eine kluge, aber satanische  Strategie. Denn bei der Wrde der Frau hebt die wahre Wrde des Menschen an. Hier hat man gute Arbeit gelei- stet: Denn die Frau hat inzwischen, wie des fteren festgestellt worden ist in letzter Zeit, weithin ihre Identitt verloren. Man hat sie zutiefst verwundet und ihr gleichzeitig suggeriert, dass die Wunde gar keine Wunde ist, sondern die groe Freiheit. Die groe Freiheit ist aber in Wirklichkeit die gemeinste Versklavung. Wenn sie es heute noch nicht wei, morgen wird sie es wissen, vielleicht. Die Frau hat weithin das Gespr fr ihren inneren Wert verloren, die Selbstachtung. Sie lsst sich ein Leitbild aufdiktieren von solchen, die sich einer heid- nischen Weltanschauung verschrieben haben. Und das geschieht seltsamerweise weithin auch in der Kirche, die sich in wachsendem Mae mit dem Geist dieser Welt verbndet und sich so in den Dienst ihrer Selbstzerstrung stellt. 
Maria ist der Gegenpol zu den Masken, die uns heute herausfordernd in den Illustrierten und auf den Straen anstarren. Sie allein kann der Frau die verlorene Identitt wiedergeben. Und sie erinnert uns daran, dass die Frau die Fhigkeit und die Aufgabe hat, die Welt zu veredeln, die Wunden der Menschen zu heilen, die Frau mit ihrer natrlichen Begabung fr das Gute, fr die Tugend und fr Gott.
Die Heilsgeschichte lehrt uns an vielen Stellen, dass das Heil bei der Frau beginnt. Deshalb gipfelt sie gleichsam in Maria, der Jungfrau und Mutter, der Mutter Jesu und der Mutter der Kirche.
Wie Gott die Frau - und den Menschen berhaupt - gedacht hat, das entdecken wir neu, das lernen wir, wenn wir auf Maria schauen, wenn wir an ihr das Ma nehmen. Maria ist das Vorbild fr alle, fr Frauen und Mnner.
*
Sie, die Morgenrte des Heiles, die uns zu Christus und zu seiner Kirche fhrt, unsere mch- tige Frsprecherin und die uns begleitende Schmerzensmutter, sie ist das Bild des neuen, des erlsten Menschen. Dieser ist geprgt von der Hingabe, nicht von der Preisgabe. So kn- nen wir es auf eine kurze Formel bringen. Der neue Mensch ist geprgt von der Hingabe, nicht von der Preisgabe. Allein in der Hingabe bewahren wir unsere Menschenwrde auf die Dauer, unsere und die des Menschen berhaupt, in der Hingabe an Gott und an die Men- schen im Geist der Selbstverleugnung, nach dem Beispiel Mariens. Maria steht fr die Hin- gabe, fr die Preisgabe steht Eva. Maria ist konstruktiv, Eva ist destruktiv, nicht nur fr das in- nere Leben. Der Appell, der in dieser Situation an uns ergeht, kann nur lauten: Sorgen wir dafr, dass wir auf der richtigen Seite stehen. Amen. 

PREDIGT ZUM 23. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 4. SEPTEMBER 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
GOTT IST GERECHT, ER BELOHNT DAS GUTE, UND ER BESTRAFT DAS BSE
Im Jahre 597 vor Christus wurde ein groer Teil des Volkes Israel nach Babylon in die Ver- bannung gefhrt. Man hatte nicht auf die Propheten gehrt, die Gott geschickt hatte, oder besser: Man hatte auf die falschen Propheten gehrt, die das Volk beschwichtigt hatten. Da- her hatte es sich nicht bekehrt und das Verhngnis war ber es hereingebrochen. Unter de- nen, die in die Verbannung gefhrt worden waren, war der Priester Ezechiel aus Jerusalem, den Gott dann in Babylon zum Propheten berufen hat. Ezechiel bedeutet soviel wie Gott ist stark oder Gott macht stark. ber 20 Jahre predigte Ezechiel den Verbannten in Babylon, bis er im Jahre 570 wegen seiner Predigt von einem Volksgenossen erschlagen wurde.
Eine Zusammenfassung des Inhaltes seiner Predigt hat uns der Prophet in einem Buch hin- terlassen, das ein Teil der alttestamentlichen Gottesoffenbarung ist.
Ezechiel sagt seinen Leidensgenossen in Babylon, das Unheil, das sie getroffen habe, sei nicht ber sie gekommen, weil die Gtter Babylons mchtiger seien als der Gott Israels - das behaupteten damals nicht wenige -, und er erklrt ihnen, die Gtter Babylons gebe es gar nicht, es gebe nur den einen Gott, den Gott Israels, und das Unglck, das ber das Volk her- eingebrochen sei, sei eine Strafe, nichts anderes, es sei eine Strafe Gottes, und es gebe nur dann eine Heimkehr fr sie in das Land der Vter, wenn sie sich bekehren wrden.
Elf Jahre nach der Wegfhrung des Volkes in die Verbannung kommt ber es noch weit Schlimmeres: Jerusalem, die heilige Stadt, wird zerstrt, und es wird noch einmal eine Un- menge von Israeliten nach Babylon deportiert.
Die Situation des Propheten ist uerst schwierig. Er steht in der schweren Verantwortung vor Gott. Er wei sich zum Wchter des Hauses Israel bestellt. Und er muss seine Stimme erheben in einem Volk, das ihn weithin nicht hren will. Mahnend und warnend, aber auch trstend, muss er immer wieder vor sein Volk hintreten, von Gott gedrngt. Er leidet unter dem Auftrag Gottes, noch mehr aber unter den Auseinandersetzungen mit den falschen Pro- pheten, den Lgenpropheten, die Heil verknden, wo kein Heil ist (Ez 13, 10), die die Seelen fangen (Ez 13, 18 f), die dem Volk nach dem Mund reden, die das Volk mit Schlag- worten traktieren. 
Ezechiel fordert das Volk auf, zu Jahwe zurckzukehren, und er erklrt seinen Leidensge- nossen, dass sie nur dann gerettet werden knnen,  wenn sie ihre Snden bereuen, wenn sie ablassen vom Gtzendienst und von der Entweihung des Sabbats und wenn sie sich distanzieren von den zahllosen anderen Vergehen in der Folge ihrer Abwendung von Gott. Ein heiliges Volk sollen sie sein, und was sind sie in Wirklichkeit? 
Ezechiel beklagt die sittlichen und die sozialen Missstnde im Volk, die Geringschtzung von Vater und Mutter, die Bedrngung der Witwen und Waisen, die Vernachlssigung der Armen, die Bedrckung der Fremden, den Wucher, die Erpressung, die Bestechung, die Un- zucht, den Mord und den Totschlag. Und er erklrt: Darum ist das Gericht ber euch gekom- men, darum kommen schlimmere Bedrngnisse ber euch, wenn ihr nicht umkehrt. Denn Jahwe ist gerecht, er bestraft das Bse, und er belohnt das Gute.
Das ist die Situation des Propheten Ezechiel in Babylon. Sie zeigt, wie bestrzend modern das Alte Testament ist. Auch wir entfernen uns von Gott, und Gott entfernt sich von uns.
*
Dem Buch Ezechiel, der Zusammenfassung der Predigt des Propheten in Baylon, ist die alt- testamentliche Lesung des heutigen Sonntags entnommen. In ihr wird der Prophet wie- derum, wie schon des fteren, beauftragt, das Strafgericht Gottes dem Volk zu verknden, damit es umkehrt und damit Gott das Angedrohte nicht ausfhren muss. Gott bedrngt den Propheten: Wenn er sich schont oder wenn er Angst hat und schweigt, dann wird Gott ihn zur Rechenschaft ziehen. Und Ezechiel entzieht sich dem Auftrag Gottes mitnichten. Seine Predigt ist eine Verwarnung, eine einzige Verwarnung vor Gott und vor der Konsequenz seiner Gerechtigkeit oder seiner Liebe, was dasselbe ist, denn auch wenn Gott straft, tut er es aus Liebe. Unmissverstndlich stellt der Prophet fest: Gott hlt, was er androht, er meint, was er sagt, seine Drohungen sind ernsthaft. Das hat er bewiesen in der Geschichte des Heiles. 
Der Prophet darf sich nicht frchten vor der Konfrontation. Wenn er die harte und doch so gtige Botschaft Jahwes nicht verkndigt - das ist die Kernaussage der Lesung -, dann wird er sich selber das Urteil ber seine Person sprechen und die strafende Hand Gottes zu sp- ren bekommen. Wahrhaftig, er lebt eine gefhrliche Existenz. Nur wenn er nicht schweigt und die unerwnschte Botschaft verkndet, findet er das Leben. 
Gott warnt die Menschen aus Liebe. Das tut er durch seine Propheten. Auf ihnen liegt gleich- sam die Last Gottes. Der Prophet muss reden, oder Gott zieht ihn zur Rechenschaft. Das ist eine schwere Aufgabe, zweifellos. Aber Gott lohnt sie ihm
*
Im neuen Gottesvolk gibt es keine Berufspropheten mehr. Da lastet die  Verantwortung des Propheten auf allen, die den Willen Gottes kennen und die das Unrecht geschehen sehen. Unter diesem Aspekt ist die gefhrliche Existenz des Ezechiel die unsere. Wir werden schul- dig an der Snde der anderen, wenn wir sie geschehen lassen, wenn wir sie nicht zu ver- hindern suchen, wenn wir nicht klar und deutlich unsere Ansicht darber zum Ausdruck bringen und uns davon distanzieren. Das betrifft einen jeden von uns. Es gilt, dass wir die Snde Snde nennen, damit wir nicht schuldig werden, und es gilt, dass wir dabei der Liebe Gottes vertrauen. 
Wenn Gott uns straft, so geschieht das, damit wir zur Einsicht kommen und uns nicht zugrun- de richten. Immer ist Gott ein liebender Gott, auch in seiner Gerechtigkeit. 
Angesichts unserer Verantwortung vor Gott empfiehlt es sich, dass wir um die rechte Er- kenntnis beten und um die Kraft, mit prophetischem Freimut fr Gott und seine Rechte ein- zutreten. Amen. 

PREDIGT ZUM 22. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 28. AUGUST 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
WER SEIN LEBEN RETTEN WILL, WIRD ES VERLIEREN, WER ES ABER UM 
MEINETWILLEN VERLIERT, WIRD ES GEWINNEN
Wir knnen, denke ich, den Petrus des heutigen Evangeliums gut verstehen, wenn er gegen das Leiden des Meisters protestiert, wenn er erklrt: Das darf nicht geschehen. Wie kann Gott den Gerechten leiden lassen? So werden wir oft gedacht, vielleicht auch oft gesagt ha- ben. Das Denken des Petrus ist plausibel: Wer Gottes Willen erfllt und wer ein gotterflltes Leben fhrt, dem muss es doch gut gehen in dieser Welt. Und dennoch ist dieses Denken falsch. Wenn wir so denken und glauben, geht unser Christentum von falschen Vorausset- zungen aus.
Wir bemhen uns vielleicht so gut wir knnen, den Willen Gottes zu erfllen und tglich un- sere Gebete zu verrichten und erwarten dafr, dass Gott es uns wenigstens einigermaen gut gehen lsst in unserem Leben. Und nicht selten kommt es vor, dass solche, die viel mitgemacht haben, die viel Leid erlitten haben, sich vom Christentum und von der Kirche abgewandt haben, nachdem sie eine Zeitlang ihre religisen Pflichten treu erfllt haben. Wenn wir tun, was recht ist, muss Gott dafr sorgen, dass es uns gut geht, das ist eine ver- breitete Auffassung von Gott, von der Religion und vom Christentum: Ich gebe Gott meine Gebete und erflle seinen Willen, dafr muss er mir im Leben helfen. Diese Auffassung be- darf einer Korrektur. Das Evangelium des heutigen Sonntags bietet sie uns. Da erfahren wir, dass Jesus selber leiden wird und dass er seine Jnger beruft - und mit den Jngern sind wir alle gemeint -, mit ihm zu leiden. 
Die Verheiungen Jesu finden ihre Erfllung in erster Linie in der jenseitigen Welt, sie rich- ten sich auf die Ewigkeit, ihr Inbegriff ist das ewige Leben. Diesem unserem irdischen  Le- ben ist das Leid zugeordnet. Unser irdisches Leben ist von der Mhsal bestimmt. 
Hier gilt, dass wir unser Kreuz Christus, dem Herrn, willig nachtragen. Tun wir das, dann gelten uns die Verheiungen Jesu, aber nicht nur das, dann erfahren wir Gottes Hilfe schon in diesem Leben, denn dann tragen nicht mehr wir das Kreuz, sondern dann trgt das Kreuz uns. Dann stehen wir nicht mehr allein den Belastungen des Alltags gegenber, und sie er- halten eine tiefe Sinnbestimmung. Die Gemeinschaft mit Christus in den Belastungen und die tiefe Sinnbestimmung der Belastungen aber trsten und strken uns in der Tiefe unserer Existenz.
Unser Gottesbild ist falsch, wenn wir in Gott nur einen Nothelfer sehen. Das ist er sicherlich auch. Aber nicht in erster Linie. Wir verehren Gott, wir vertrauen auf ihn und wir lieben ihn, weil er unser Schpfer und Erlser ist, weil wir auf ihn und auf seine Ewigkeit hin geschaf- fen sind, weil es wrdig und recht ist, wie es an zentraler Stelle in der Liturgie der Kirche heit, ihn als unseren Herrn und Gott anzuerkennen. 
Wer Christi Jnger sein will, muss Christus sein Kreuz nachtragen. Dieser verspricht seinen Jngern nicht, dass es ihnen gut geht in dieser Welt, wohl aber verspricht er ihnen die Erfl- lung ihrer tiefsten Hoffnungen und Sehnschte und bertrifft sie noch, er verspricht ihnen das ewige Leben, so nennen wir fr gewhnlich die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott in der Ewigkeit. Darum geht es. Der Lohn, der uns verheien ist, ist jenseitig, wenngleich er seine Schatten vorauswirft in unserer vergnglichen Welt, wenn wir in rechter Weise leben.
*
Es geht hier um das Tragen des Kreuzes im Alltag, um die Selbstverleugnung, um die treue Nachfolge Christi im Gehorsam und in der Liebe. Aber damit begngt Christus sich nicht, er verlangt noch mehr, er verlangt von uns gar die Nachfolge bis in den Tod, die Hingabe des physischen Lebens, gegebenenfalls. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer es aber um seinetwillen willen verliert, wird es gewinnen, so erklrt er. Wir mssen alles ein- setzen fr die Wahrheit und fr das Gute - das Gute ist die Wahrheit -, wir mssen alles einsetzen fr die Wahrheit und fr das Gute, selbst das Leben. Die Strke des Christentums ist nach wie vor der Geist des Martyriums. Der aber ist ein Wesenskonstitutiv des Christen- tums.
Die Kirche Christi wurde auf dem Fundament der Mrtyrer aufgebaut, die Kirche, die dem Tod des Erlsers ihre Existenz verdankt. Darum gehrt auch das Opfer wesentlich zum Chri- stenleben dazu, der Verzicht, die Selbstverleugnung. Im Opfer, im Verzicht, in der Selbstver- leugnung aber wird, wenn wir es recht machen, das Martyrium eingebt, die hchste Aufgipfelung unserer christlichen Berufung.
Der Geist des Martyriums ist ein Wesenskonstitutiv des Christentums: Das ergibt sich zum einen aus der rechten Ordnung der Werte - das Niedere muss eingesetzt werden fr das H- here - und zum anderen aus dem Widerstand, den die Wahrheit und das Gute in dieser Welt erfahren. Die Heilige Schrift spricht an vielen Stellen von dem Geheimnis der Bosheit und von der Macht des Bsen, die bestimmend sind in dieser Welt (vgl. Joh 16, 11; 2 Thess 2, 7; 1 Joh 5, 19).
Wir mssen uns klar machen, dass das irdische Leben, gemessen an der Ewigkeit, nicht viel bedeutet, dass wir es um der Ewigkeit willen freudig hingeben mssen. Wer nicht einmal mehr den Tod frchtet, der ist unberwindlich und damit wahrhaft frei. Die sind unber- windlich, die auch den Tod nicht mehr frchten. 
Solchen Gleichmut und eine solche Einsatzbereitschaft verlangt Gott von  uns. Das ist freilich leichter gesagt als getan. Aber es ist unverkennbar das Ziel unseres Christenlebens, dass wir auch die Angst vor dem Tod berwinden, dass wir gleichmtig unser Leben fr Gott und sei- ne Kirche einsetzen. Der Weg, der uns dahin fhrt, ist die bedingungslose Gemeinschaft mit Christus, dem leidenden und sterbenden Gottessohn. 
Wir unterscheiden das leibliche und das geistige Martyrium. Das Verbindende ist dabei das konsequente Zeugnis fr die Wahrheit und fr das Gute. Angesichts der Gehssigkeit und der Feindseligkeit, die man der Religion, vor allem dem Christentum und der Kirche heute ent- gegenbringt, ist das Bewhrungsfeld fr das Eine wie fr das Andere heute gro und weit.
*
Gott hat uns nicht Gerechtigkeit fr diese Welt versprochen. Und oft muss der Gerechte lei- den in dieser Welt. Wir mssen uns zwar bemhen um die Gerechtigkeit und um mehr als das, um die Liebe, aber wir werden es nie verhindern knnen, dass die Ungerechtigkeit im- mer wieder triumphiert. Und oft geraten wir selber in das Rderwerk der Bosheit dieser Welt, wenn wir uns fr die Wahrheit und fr das Gute einsetzen. Gott belohnt uns aber die Treue in seinem Dienst,  nicht unbedingt in dieser Welt, denn seine Verheiungen gelten in erster Linie fr die jenseitige Welt, alles ist jedoch im Buch des Lebens verzeichnet. Das Drama von Jesu Leiden und Tod setzt sich irgendwie fort in seinen Jngern. Und so muss es sein bis zum Ende der Welt, bis er einst wiederkommt am Ende der Zeit. Gott bewahrt uns nicht vor dem Leid, aber er bewahrt uns im Leid und macht es fr uns zu einer Quelle des Segens, wenn wir es annehmen. Wir knnen uns also nicht bei Gott beklagen, wenn es uns schlecht geht. Selbst das Leben mssen wir einsetzen fr ihn, fr die Wahrheit und fr das Gute, wenn es die Situation verlangt. Das ist die hchste Aufgipfelung unserer christlichen Berufung, das leibliche und das geistige Martyrium. Die Bereitschaft zu einem solchen Ein- satz mssen wir ein ganzes Leben lang einben. Das tun wir, wenn wir in der rechten Weise beten und unser Kreuz Christus nachtragen. Amen.

PREDIGT ZUM 21. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 21. AUGUST 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
FR WEN HALTEN DIE LEUTE DEN MENSCHENSOHN - 
DU BIST PETRUS, DER FELS
Zwei  Gedanken enthlt das Evangelium des heutigen Sonntags, die wir auf die kurze For- mel bringen knnen: Das Bekenntnis des Petrus zu Jesus und das Bekenntnis Jesu zu Petrus. Dabei erhlt Petrus seine Berufung zum Felsenfundament der Kirche, nachdem er sich zur Gottessohnschaft Jesu bekannt hat. Spter, kurz vor seinem Leiden, erklrt Jesus ihm: Ich habe fr dich gebetet, dass dein Glaube nicht wanke, du aber kehre um und strke deine Brder (Lk 22, 32) und besttigt damit noch einmal seine Berufung. - Jesus von Nazareth ist der Sohn des lebendigen Gottes, und Petrus ist sein qualifizierter Zeuge. Darum geht es im Evangelium des heutigen Sonntags.
Die zentrale und entscheidende Botschaft des Christentums und der Kirche ist Jesus von Na- zareth, wer er war und was er wollte. Der eigentliche Grund der Existenz der Kirche ist der Glaube an diesen Jesus, den Sohn des ewigen Gottes, der von Ewigkeit her aus dem Vater hervorgegangen und in der Zeit Mensch geworden ist, der uns erlst und uns Gottes Wort und Weisung verkndet hat, und die Bewahrung und die rechte Interpretation dieses Glau- bens. Die rechte Bewahrung und die rechte Interpretation dieses Glaubens, das aber ist in erster Linie die Aufgabe des Petrus und seiner Nachfolger. 
*
Die Frage nach Jesus lsst die Menschen nicht zur Ruhe kommen. Das wird uns in diesen Tagen wieder eindrucksvoll vor Augen gefhrt, wenn beinahe eine Million junge Menschen aus aller Welt zusammenkommen, um ber ihn etwas zu hren, um zu ihm einen neuen Zu- gang zu finden und um Strkung zu finden im Glauben an ihn und im Vertrauen zu ihm.
Wenn man die Titel der Bcher, die je ber diesen Jesus geschrieben wurden, zusammen- stellen wrde, man knnte ganze Bibliotheken damit fllen. Schon daraus folgt, dass man ber ihn nicht hinweggehen und zur Tagesordnung bergehen kann. Ein uerer Hinweis darauf ist, dass man auf der ganzen Erde die Jahre von seiner Geburt an zhlt. Man kommt an ihm nicht vorbei, wenn man die Augen nicht verschliet und wenn man einigermaen bewusst durch diese Welt geht. 
Und - auch das zeigt sich - , wo immer man das tut, wo immer man die Augen vor diesem Jesus von Nazareth verschliet, da wird das Leben unmenschlich, da gelangt die Lge zur Vorherrschaft, da fhren der Hass, die Verzweiflung, die Unfreiheit und die Entwrdigung des Menschen das Szepter. Dazu gibt uns die jngste Vergangenheit, aber auch die Gegen- wart einen erschtternden Anschauungsunterricht. 
Nach dem Zeugnis des heutigen Evangeliums sind es zwei Antworten, zwei positive Ant- worten, die man auf die Frage nach diesem Jesus geben kann, wenn man ihn nicht gnzlich ablehnt. Diese zwei Antworten begegnen uns in dem Faktum, dass die einen in ihm einen groen Menschen sehen, einen Propheten, vielleicht auch ein religises Genie, die anderen aber Gott selbst in ihm erkennen. Das war damals so, heute ist das nicht anders.
Wenn man Jesus als einen der  Groen der Geschichte versteht und wenn man ihn als sol- chen bewundert, so kann man immerhin seine Lehren annehmen oder wenigstens einen Teil davon und etwa seine Eigenschaften nachahmen, seine Gte, seine Geduld, seine Selbstlosigkeit, seine Wahrhaftigkeit, seine Aufrichtigkeit, seine Ehrfurcht vor den Menschen und sei- ne Piett vor Gott, den er seinen Vater nannte. Dann ist man immerhin auf dem Weg zur Wahrheit. Aber das Heil kann man nur finden, wenn man mit Petrus antwortet: Du bist Christus (das heit: der Messias, der Erlser der Menschen), der Sohn des lebendigen Gottes. Wenn wir so an ihn glauben und ihn bekennen, dann erkennen wir, dass er auch heute durch diese unsere Welt geht, wie damals in seinen Erdentagen, und dass wir berufen sind, ihm nachzufolgen auf allen Wegen unseres Lebens, dass er der Erste ist und der Letzte, dass es zu ihm keine Alternative gibt in diesem unserem Leben und in dieser unserer Welt.
Dass dieser Mensch Gott selber ist, das ist letztlich eine Frage des Glaubens, eines Glaubens allerdings, der nicht in der Luft hngt, der seine Grnde hat. Wenn das aber so ist, wenn die- ser Mensch Gott gewesen ist und Gott ist, dann ist die Welt eine andere, die Welt, die er durchschritten und in der er gelebt hat, dann hat das Konsequenzen fr die Menschheit als Ganze und fr jeden Einzelnen. 
*
Den Glauben an den in Jesus von Nazareth Mensch gewordenen Sohn Gottes, an sein Wort und an sein Beispiel, diesen Glauben zu bewahren und immer neu zu wecken und ihn zu befreien von allen subjektiven Meinungen, ihn authentisch zu verknden, authentisch zu sagen, wer dieser war und was er wollte, das ist die Aufgabe der Kirche in den Jahrhun- derten, vor allem aber des Inhabers der Petrusamtes in der Kirche, des Papstes. Dazu wurde die Kirche gestiftet, um diese Wirklichkeit in den Jahrhunderten zu verknden und durch die Geschichte hindurchzutragen. 
Wir drfen hier vielleicht kritisch fragen: Ist das stets den Verantwortlichen in der Kirche be- wusst? Sprechen sie gengend davon? Und verlieren wir uns alle nicht oft in peripheren Fragen? Und wird die Reinheit dieses Glaubens nicht hufig mit dem Zeitgeist vermengt und dadurch verflscht?
Ein Jesus, der Gottes Sohn ist, der in seiner Kirche in den Sakramenten fortlebt und fort- wirkt, der sein Kreuz und seine Erlsung immer neu in ihr Gegenwart werden lsst, ist natr- lich anspruchsvoller als ein unverbindlicher Jesus, der ein groer Mensch war und uns wei- se Lehren hinterlassen hat.
Diesem Anspruch mchte der Mensch entfliehen. Deshalb wird heute viel gegen eine ver- fasste Kirche und gegen ein verbindliches Petrusamt polemisiert, deswegen geniet die Kir- che heute nicht viel Sympathie bei den Menschen, auch nicht das Papsttum, wenn man ein- mal absieht von momentanen Begeisterungsstrmen, wie wir das in diesen Tagen wieder erleben. Wenn der Papst wirklich seine Stimme erhebt und das sagt, was er sagen muss, dann hren wir gern weg und suchen uns andere Lehrer, wenn er in Verantwortung vor Gott und dem Herrn der Kirche Weisungen erteilt und wenn es gilt, diese im Leben zu verwirk- lichen und damit abzurcken von dem, was alle reden, und von dem, was alle tun, dann sind die Begeisterungsstrme schnell verebbt.
Das Evangelium des heutigen Sonntags erinnert uns daran, dass wir im Glauben des Papstes eine sichere Orientierung haben fr Zeit und Ewigkeit, eine Orientierung, die uns ebenso verpflichtet fr Zeit und Ewigkeit, denn er, der Papst, ist das Fundament der Kirche, nicht der einzelne Bischof ist es, erst recht nicht ein einzelner Pfarrer oder ein einzelner Theologe. 
Wie sinnvoll und notwendig das Petrusamt ist, das mssten besonders der geistige Wirr- warr und das Glaubenschaos unserer Gegenwart uns zum Bewusstsein bringen.
Nicht jene Meinung, die uns am besten gefllt, sondern der Glaube des Petrus, des lebendi- gen Petrus, wie er uns im Papst begegnet, darauf kommt es an. 
Gerade heute mssen sich unsere Blicke nach Rom richten. Die ewige Stadt ist der Hort der Wahrheit, die unbequem sein mag im Augenblick, die aber auf lange Sicht heilsam ist, die uns heil macht und uns das Heil bringt fr Zeit und Ewigkeit.
Die Kirche Christi ist die Kirche des Petrus, das drfen wir nicht vergessen bei aller kume- nischen Begeisterung.
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Petrus bekennt sich zu Jesus Christus als dem Sohn Gottes, und dieser beruft ihn zum Fel- sen seiner Kirche. Und nur eine Kirche hat dieser Jesus gewollt. Bei Petrus und seinen Nach- folgern wird der ganze Glaube bewahrt. Das ist nicht Willkr. Allzu deutlich sind die Worte des Evangeliums des heutigen Sonntags. Amen.

PREDIGT ZUM 20. SONNTAG IM KIRCHENJAHR, GEHALTEN AM 14. AUGUST 2005 
IN FREIBURG, ST. MARTIN
DAS BEHARRLICHE GEBET UND UNSERE BERUFUNG
Die heidnische Frau aus Kanaan, eine zentrale Gestalt des heutigen Evangeliums, lsst sich nicht abweisen von Jesus. Ihr Vertrauen ist unerschtterlich, und ihre Hartnckigkeit ist un- berwindlich. Darum findet sie schlielich Erhrung. Wie Jesus die Bitte dieser Frau erfllt, weil sie nicht aufgibt, so erfllt Gott unsere Bitten im Gebet, wenn wir nicht aufgeben, wenn wir nicht aufhren zu beten. Das beharrliche Gebet hat eine ungeheure Macht. Es schenkt uns Gottes Hilfe selbst in aussichtslosen Fllen. Jesus hat wiederholt in seinen Gleichnissen von der Macht des beharrlichen Gebetes gesprochen. Hier, in seiner Begegnung mit der heidnischen Frau aus Kanaan, finden sie, diese Gleichnisse, gleichsam eine Anwendung. 
Wer von uns htte nicht schon nach lngerem Beten in einem bestimmten Anliegen ent- tuscht innegehalten? Wenn wir dann aber nicht fortgefahren haben, so beschmt uns die heidnische Frau des Evangeliums.
Das beharrliche Gebet fhrt deswegen zum Erfolg, weil es Ausdruck des Glaubens, des Ver- trauens und der Demut ist. Glaube, Vertrauen und Demut aber sind jene Haltungen, aus de- nen alle anderen christlichen Tugenden hervorgehen, vor allem der Gehorsam und die Lie- be.
Es ist allerdings nicht allein das beharrliche Gebet, das uns die Erhrung Gottes bringt. Es muss die Erfllung des Willens Gottes hinzukommen. Gott hrt uns, wenn wir auf ihn hren, wenn wir seine Gebote erfllen und wenn wir uns in die grere Ordnung Gottes einfgen, vorausgesetzt, dass wir dabei wissen, dass wir keine Ansprche an ihn zu stellen haben. Gott hrt uns, wenn wir auf ihn hren, und er verlsst uns nicht, wenn wir ihn nicht verla- ssen. Daran mssen wir uns erinnern, wenn wir uns von Gott verlassen fhlen. Wer macht nicht diese Erfahrung? Sie ist allzu menschlich. Aber dann, wenn wir diese Erfahrung ma- chen, muss der Glaube es uns sagen und uns daran erinnern, dass Gott uns nicht verlsst, wenn wir ihn nicht verlassen. 
*
Ein zweiter Gedanke begegnet uns im Evangelium des heutigen Sonntags: In der Hinwen- dung Jesu zu der heidnischen Frau aus Kanaan - nach anfnglichem Zgern wendet er sich ihr zu - kndigt sich etwas Neues an, der bergang zur Heidenmission in der Gemeinde des Neuen Testamentes. Heidenmission, das hatte es im Alten Testament nicht gegeben. 
Wir werden hier auf die Enttuschung Jesu gestoen, der nicht viel Erfolg gehabt hat in sei- nem Wirken, und auf das Geheimnis der Erwhlung und der Verwerfung. In seiner Ganzheit, als Volk, hat Israel Jesus, den Gottgesandten, nicht anerkannt. Das Volk war verblendet durch seinen Stolz. Immer folgt die Verblendung dem Stolz. Das Volk hatte Menschen- satzungen an die Stelle des Gottesgebotes gesetzt. Seine Religion war veruerlicht und gleichsam zu einem Apparat erstarrt. In seinem religisen und sittlichen Tun meinte es nicht mehr Gott, sondern sich selbst. Das ist heute bei uns nicht viel anders. Auch unter diesem Aspekt sind wir das neue Israel. Erstarrung und Veruerlichung bestimmen auch das Chri- stentum der Gegenwart, weithin.
Im Grunde ist dieser Prozess bei uns jedoch noch weiter fortgeschritten, denn weithin ist un- sere Religion und ist unsere Moral nicht mehr nur veruerlicht, weitgehend existieren sie gar nicht mehr. 
Weil Israel einst in seinem religisen und sittlichen Tun veruerlicht war und weil es sei- ner Berufung nicht gefolgt war, deshalb musste es anderen Vlkern Platz machen. Paulus wurde spter der eigentliche Apostel der Heiden.
Gewiss bewahrten einige in Israel ihre Berufung. Er selbst entstammte dem alttestamentli- chen Bundesvolk wie auch seine unmittelbaren Jnger ihm entstammten, auf denen er sei- ne Kirche aufbaute. Vor Gott gibt es keine Kollektivschuld, und Schuld gibt es nur da, wo Einsicht herrscht, und Gott wird auch schlielich doch noch oft Gnade vor Recht ergehen lassen, aber es gilt auch, dass seine Geduld einmal ein Ende hat, dass er den Leuchter von seiner Stelle rcken wird, wie es in der Geheimen Offenbarung heit (Apk 2, 5), da, wo der Mensch sich unablssig seiner Berufung entzieht und sich ihrer unwrdig erweist. 
Das ist ein bedeutendes Thema in der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch der Hei- ligen Schrift, das Geheimnis von der Erwhlung und der Verwerfung. Aber es begegnet uns immer wieder im Neuen Testament wie auch schon in Alten, nicht anders als in der Geschichte der Kirche. 
Der Knig Saul, zunchst von Gott berufen, wird von ihm fallen gelassen. Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, hat er dich verworfen, so erklrt ihm der Prophet Samuel (1 Sam 15, 22). 
Auch Judas war einst zu hohen Ehren im Gottesreich berufen, aber Gott lie ihn fallen, weil er sich von ihm abgewandt hatte, und es trat ein anderer an seine Stelle. Man kann also die Gnade Gottes verscherzen. 
Unverlierbar ist das Heil erst dann, wenn wir es bis zum Tod bewahrt haben. Dabei gilt noch immer die Mahnung des Philipperbriefes: Wirket euer Heil in Furcht und Zittern (Phil 2,12), was wir oft vergessen.
Heute rollt die Abwendung von Christus und von seiner Kirche, ja, die Abwendung von Gott, wie eine Lawine ber das einstmals christliche Europa. Im Grunde sind alle Lnder der Erde davon irgendwie betroffen. Der Weltjugendtag darf uns da nicht tuschen. Er kann ein neuer Aufbruch werden, aber er ist es noch nicht. 
Whrend der Unglaube sich ausbreitet, bleibt das Christentum weithin unttig, weil es schal geworden ist, erkennt es weithin nicht einmal die Bedrngnis. Es bleibt nicht nur weithin unttig, oft lsst es sich auch gleichsam einfangen, indem es sich unterwandern lsst. 
Die Bedrohung des Christentums durch den Unglauben ist heute total. Das ist aber nicht nur eine Bedrohung fr das Christentum, das ist eine Bedrohung auch fr unsere Gesellschaft und fr unsere Zivilisation. 
Vor Jahren erklrte der damalige Bundesprsident Carstens: Meine grte Sorge ist die, dass wir in unserer Zivilisation die religise Dimension verlieren knnten. Dann ... knnte das Ende hereinbrechen ... Es ist mir klar geworden, dass ein Volk ohne metaphysische Bindung, ohne die Bindung an Gott, weder regiert werden noch auf die Dauer blhen kann.
Mit der Religion bricht die Moral zusammen. Wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst er- klrt der Heilige Vater Benedikt XVI., Relativismus und moralische Beliebigkeit htten die europische Kultur und den Westen an den Rand des Abgrunds gefhrt und seien zu einer akuten Bedrohung von Staat und Gesellschaft geworden (Rede in dem italienischen Wall- fahrtsort Subiaco am 2. April 2005).
Es gibt fr uns keine Zukunft ohne das Christentum. Wir knnen daher auch fr unsere inner- weltliche Zukunft, fr unser existentielles berleben, nichts Wirksameres tun, als wenn wir uns wieder Gott zuwenden, als wenn wir uns bemhen, Gottes Gebote zu halten und das Po- tential des Bsen, soweit es auf uns ankommt, zu verringern. 
Was im Groen gilt, das gilt auch in unserem persnlichen Leben, das Geheimnis von Be- rufung und Verwerfung. Gott hat viel Geduld, aber endlich kann er den Leuchter von der Stelle rcken (Apk 2, 5). 
Wieviel Verfhrung gibt es heute in der Gestalt von Lge und Heuchelei. Vergngungssucht, Verantwortungslosigkeit, Grausamkeit, Hass, Disziplinlosigkeit und Spaltung werden ohne Rcksicht propagiert. Dabei wird die Rolle von Christentum und Kirche immer unbedeuten- der. 
Die wachsende Gottlosigkeit und der Zusammenbruch der Moral mssen uns aufhorchen ma- chen, so dass wir uns besinnen auf unsere Berufung. Mehr denn je muss heute die Parole lauten: Widerstand gegen den Zeitgeist, gegen den Zeitgeist, der im Dienst der Abwendung von Christus und von Gott steht. 
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Wo unser Vertrauen unberwindlich ist, da wendet Gott sich uns zu in unserer Not. Wo wir beharrlich beten, da erhrt Gott unser Gebet, vorausgesetzt, dass wir uns bemhen um Got- tes Gebote, dass wir uns bemhen, unserer Berufung gerecht zu werden. Gott ist nicht auf uns angewiesen, aber wir bedrfen seiner, heute, in unserer kompliziert gewordenen Welt, mehr denn je. Immer bedarf der Mensch Gottes, immer fhrt ihn die Abwendung von ihm in den Untergang. Gott braucht uns nicht, aber wir bedrfen seiner. Jesus sagt einmal in einem Streitgesprch zu den Pharisern: Gott kann auch aus den Steinen Kinder Abrahams er- wecken (Mt 3, 9; Lk 3, 8), das heit: Die Abwendung von Gott und von Christus ist unser Schicksal. Amen. 
